| Griechenland - Kreta | ||
Etwa ab dem 18. Jahrhundert vor Beginn unserer Zeitrechnung blühte auf der im östlichen Teil des Mittelmeers gelegenen Insel Kreta die bis heute rätselhafte Kultur der Minoer, die als älteste Hochkultur Europas gilt.
Bekannt ist der kretische Stierkult mit akrobatischen Spielen. Besonders der Sprung über den Rücken des Tieres ist auf berühmten Fresken dargestellt. Der Stier spielt im Gründungsmythos Kretas eine wichtige Rolle, wie auch aus griechischer Literatur überliefert ist (Europa wurde von einem Stier nach Kreta entführt).
Auffallend ist der Verzicht auf Darstellung von Kampf und Kriegern in der kretischen Kunst, was der minoischen Kultur den Ruf eintrug, bemerkenswert friedliebend gewesen zu sein.
Die frühe Kultur Kretas wird grob in drei Abschnitte geteilt, das frühminoische Zeitalter von der Jungsteinzeit bis zur ersten Blüte (3500 bis 2200 v.), dann das mittelminoische Zeitalter, in dem Kreta seine größte Macht entfaltete (2200 bis 1500 v.).
Um 1475 bis 1425 vor ging diese Kultur unter, alle bekannten Paläste vergingen durch Brandkatastrophen. In dieser Zeit (die bis 1100 v. weilte), herrschten bereits eingesickerte Hellenen auf Kreta, die sich der minoischen Errungenschaften bedienten und daraus diese spätminoische Kultur formten. Ob die Zerstörer die Griechen selbst waren oder andere Feinde oder Ereignisse die noch ungefestigte neue Herrschaft hinwegfegten, ist bislang ungewiß.
Diese über Kreta verteilten Paläste, derzeit wurden neben dem Palast von Knossos drei weitere entdeckt, ein fünfter wird derzeit in Galata freigelegt, waren allesamt Bauten von verwirrendem Grundriß, mit zahlreichen Sälen, Zimmern, Gängen und Höfen. Der berühmteste ist der Palast des Königs Minos in Knossos, ein 1900 vom britischen Archäologen Arthur Evans wiederentdeckten Gebäude von 150 m im Geviert, das auf 1700 vor datiert wird.
Die Ausmaße des Palastes und seine verschachtelte Anlage gelten als Ursprung des Mythos vom Labyrinth. In diesem Labyrinth soll das Ungeheuer Minotaurus, eine Chimäre aus Mensch und Stier, gelebt haben.
Die Namensgeberin des Kontinents Europa war eine griechisch-phönizische Prinzessin, Tochter des Agenor von Tyros und der Teleohassa. Der Gott Zeus entführte die am Strand von Sidon spielende Europa in Gestalt eines weißen Stieres und trug sie über das Meer nach Kreta. Hier wird Europa von dem Gott Mutter des späteren Königs Minos. Weiter erhielt Europa von Zeus drei Geschenke: Den Bronzemann Talos, der Kreta bewachte, indem er dreimal am Tag die Insel umschritt, einen Jagdhund, der jedes Wild fangen konnte und einen Speer, der nie sein Ziel verfehlt.
Bruder der Europa war Kadmos. Der gilt als mythischer Begründer der vorhellenischen, mykenischen Kultur, die gewisse Parallelen zur minoischen hat, beispielsweise die gewaltigen Bauwerke (Zyklopenmauern).
Als Minos König wurde, erhielt er von Zeus die ersten Gesetze. Alle neun Monate suchte er Zeus in einer Höhle auf, um seine Freundschaft mit dem Gott zu erneuern.
Vom Bruder des Zeus, dem Meeresgott Poseidon, erbat Minos als Zeichen seiner Königswürde einen Stier, den er ihm anschließend opfern wollte. Als er das Tier sah, brachte Minos es aber nicht übers Herz, es zu töten. Darüber erbost verzauberte Poseidon des Königs Gattin Pasiphae, daß die fortan in den Stier verliebt war. Sie ließ sich vom Hofhandwerker des Königs, dem Daidalos, eine Holzattrappe anfertigen, mit Hilfe der sie sich als Kuh verkleidet mit dem Stier paaren konnte. Im Ergebnis gebar sie den Minotauros.
Minos ließ von Daidalos das Labyrinth erbauen und sperrte den Minotaurus darin ein. Als sein Sohn Androgeos in Athen ermordet wurde, unternahm Minos einen Rachezug und zwang die Stadt, alle sieben Jahre sieben Knaben und sieben Mädchen nach Kreta zu entsenden, wo sie in das Labyrinth zum Minotaurus gegeben wurden. Erst Theseus befreite die Stadt von diesem Tribut.
Dieser aus der griechischen Sagenwelt überkommene Mythos mag ihren Ursprung im Versuch einer späten Rechtfertigung der Griechen für Ihr militärisches Vorgehen gegen Kreta haben. Immerhin hielten sie Minos in Ehren: Nach seinem Tod wurde Minos wegen seiner gerechten Gesetzgebung und Herrschaft samt seiner Brüder Totenrichter im Hades.
Wie alle alten Kulturen gibt die kretisch-minoische zahllose Rätsel auf. So wurde die ältere minoische Schrift, die hieroglyphische Linear A, bislang nicht entziffert.