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| Griechische Mythologie | |
(lat. Cybele) Eine kleinasiatische Muttergöttin (Magna Mater, große Mutter), Göttin der Fruchtbarkeit, von Wohlstand und Gesundheit und der Berge. Die Göttin spendet Leben und Fruchtbarkeit, als Herrin der Natur läßt sie alljährlich die Natur absterben und im Frühjahr zu neuem Leben erwachen. Ihr wichtigster Tempel stand in Pessinus / Phrygien. Kybele galt als Ahnherrin der Könige von Lydien. Ihr Kult wurde 204 v. im Triumphzug auch nach Rom gebracht und als Kult der Magna Mater offiziell eingeführt.
Kybele soll aus einem der Steine gewachsen sein, die Deukalion und Pyrrha nach der Sintflut geworfen hatten. Oder ihr Vater war Meon (bzw. Protogonus), König in Phrygien und Lydien, ihre Mutter Dindyma.
Meon wollte keine Tochter und ließ das Mädchen nach seiner Geburt auf dem Berg Kybelus aussetzen. Dort wurde sie von wilden Tieren aufgezogen, Panther und andere Raubtiere gaben dem Kind ihre Milch, bis einige Hirtinnen die Kleine fanden und zu sich nahmen.
Kybele wuchs zu einer schönen Jungfer heran, hielt sich dabei sittsam und erfand lieber Pfeifen, Trommeln und Cymbeln, die später im Kult der Göttin bedeutsam wurden, außerdem befaßte sie sich mit Heilkunde, besonders zugunsten des Viehs und der Kinder, welche sie mit ihren Worten heilte. Wegen dieses besonderen Verhältnisses nannte man sie gebirgische Mutter.
Ein enger Freund war Marsyas, ihre Liebe der schöne Attis.
Als Kybele wenig später an den elterlichen Hof heimkehrte, wurde sie erfreut aufgenommen. Man entdeckte aber schon bald an ihr andere Umstände. Meon ließ im Zorn den Attis nebst erwähnten Hirtinnen hinrichten und ihre Leichen unbestattet verwesen.
Kybele begann vor Trauer unsinnig durch das Land rasend, unablässig heulend und Trommeln schlagend und in Begleitung des pfeifenden Marsyas durch das Land zu irren. Auf die beiden traf der Apollo, der Marsyas im musikalischen Wettkampf besiegte und tötete, anschließend zog er mit der Kybele ins Land der Hyperboreer.
Unterdessen litt Phrygien furchtbar, Pest und Teuerung drückte das Land. Man befragte darum das Orakel und vernahm, daß man umgehend die frevlerisch unbestatteten Leichname beerdigen müsse, die Kybele göttlich verehren. Schnell bemühte man sich um solches, mußte aber, da vom Leichnam nichts mehr aufzufinden war, ein Bildnis des Attis in Ehren bestatten. Zu Pessinus errichtete man der Kybele einen prächtigen Tempel, besonders König Midas bemühte sich darum.
Es heißt auch, Attis habe der Kybele nicht die Treue gehalten und die Nymphe Sagaris begehrt, wofür Kybele ihn grausam bestraft habe.
Berühmt ist durch den Römer OVID ihr Zorn auf Atalante und Hippomeneus. Diese Liebenden hatten ihren Gefühlen im Heiligtum der Kybele nachgegeben, wofür die Göttin sie in zwei Löwen verwandelte, die fortan ihren Wagen ziehen mußten (Metamorphosen 10,686-704).
Die Kybele wurde weithin verehrt, wobei man sie unter vielen Namen anrief: Andirina, Antaia, Asporina, Berecynthia, Cybebe, Daucia, Enthea, Dindymene, Idaea, Maia, Magna mater, Mater Deum, Mygdonia, Pasithea, Pessinuntia, Phasiane, Phrygia, Turrita.
Quelle: Die Darstellung folgt — soweit nicht gesondert angegeben — dem Abriß bei HEDERICH (Gründl. mythol. Lex., Sp. 823ff.), der überwiegend Diodorus Siculus, lib. III. c. 58f. zitiert.
Das doppelgeschlechtliche Wesen Agdistis, ein anderer Name der Kybele, zog rasend über das Land und tötete alles, was ihr begegnete. Die Götter berieten sich, und Dionysos erbot sich, die Agdistis zu besänftigen. Das gelang ihm, indem er einer Quelle Wein entspringen ließ. Als Agdistis davon trank, wurde er/sie berauscht und im Schlaf kastrierte er/sie sich (aufgrund einer List des Dionysos) selbst. Aus dem abgetrennten Geschlechtsteil entsproß ein Mandelbaum, von dem die Nana, Tochter des Flusses Sangar, eine Frucht in ihren Busen oder Schoß steckte und davon schwanger wurde. Ihr Kind war der Attis, in den die Agdistis sich verliebte. Attis wollte sich aber mit der Tochter des Königs von Pessinus verheiraten. Eifersüchtig trieb Agdistis ihn dafür in den Wahnsinn und umnachtet kastrierte er sich selbst, wie es seine Vater/Mutter getan hatte.
Der Attis entspricht im Tempeldienst den Eunuchen der Kybele. Diese kastrierten Priester waren die Galli, an deren Spitze der Archigallus stand. Das Selbstentmannen, das mit verzierten Klemmen vollzogen wurde, war römischen Priestern verboten, weshalb der Kult der Megale meter (griech.) bzw. Magna Mater (lat. Große Mutter) von Nichtrömern geleitet wurde, bis das Verbot von Claudius aufgehoben wurde. Nach ihrer Entmannung trugen die Priester der Kybele bunte weibliche Tracht und Schmuck.
Vom 15. bis 28. März fand ein Frühlingsfest zu Ehren von Kybele und Attis statt, letzterer wurde zum Sonnengott. Im späten Kaiserreich wurde Kybele als kosmische Himmelsmacht angesehen.
Zum Bestandteil des Kultes der Kybele gehörte später auch das Taurobolium. Bei diesem Entsühnungsritus setzte sich der Gläubige in eine Grube. Über ihm wurde eine Stier oder Widder geopfert, und das Blut des Opfertieres ergoß sich über ihn.
Dargestellt wird Kybele auf einem Wagen sitzend, der von Löwen gezogen wird. Auf dem Kopf trägt sie eine Krone mit Häusern oder Türmen, Attribute der Göttin sind auch Ähren, eine Pauke oder Klapper, Schlüssel, Granatapfel, Zepter oder Füllhorn.
Das Kultsymbol der Kybele in Pessinius war ein unbearbeiteter schwarzer Meteorstein. Später wurde dieser Stein in den Tempel der Kybele auf dem Palatin in Rom verbracht.
Über Abwandlungen des Namens wird der schwarze Stein der Kybele mit dem Stein in der Kaaba zu Mekka in Verbindung gebracht.
Auch die Zypresse ist Symbol der Kybele (BIEDERMANN, 507).