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 Griechische Mythologie
 
 

Lamia

(„die Verschlingerin”, v. gr. laimos, „der Schlund”, auch Lamo) Als Mutter des Meeresungeheuers Skylla wurde — neben der Hekate — auch eine Lamia genannt, deren Kurzname im Ammenmärchen üblich war. (KERÉNYI, 36).

Lamia soll auch eine Königin in Libyen gewesen sein. In einer Höhle soll Zeus sie geliebt haben — mit dem Ergebnis, daß sie schwanger wurde und Zeus Gattin Hera sie haßte und ihre Kinder verschlang. Lamia wurde vor Gram ganz häßlich und verbittert und raubt seither neiderfüllt die Kinder anderer Mütter. Sie soll auch ihre Augen aus den Höhlen nehmen können, so daß diese wachen, während sie selbst schläft. Lamia ist also ein richtiges Schreckgespenst, von denen antike Mütter und Kindermädchen dem Nachwuchs erzählt haben werden. Immerhin — ganz endgültig soll es für die Kinder nicht sein, von der Lamia gefressen zu werden, denn wird sie gefangen, dann muß sie alle Kinder aus ihrem Bauch entlassen. Das erinnert an den Kronos, der zudem wie die Lamia einen Turm besessen haben soll (KERÉNYI, 36f.), aber auch an den Wolf aus den Märchen „Rotkäppchen” oder „Der Wolf und die sieben Geißlein”.

Lamia VII. Für Vergrößerung anklicken.
„Lamia VII” von meral
 
 
Oder Lamia war die schöne Tochter des Belus (ein König in Ägypten oder der Gott Baal) und der Lybie. Mit ihr zeugte Zeus einen Sohn, den allerdings seine eifersüchtige Gattin Hera alsbald umbrachte. Darüber soll Lamia so traurig geworden sein, daß sie nicht allein ein häßliches Äußeres (Schlangenhaupt, ähnlich der Medusa) annahm, sondern auch auch damit begann, andere Kinder umzubringen.

Nach dieser sollen jene dämonischen Ungeheuer ihren Namen haben, die außer Lamien auch Empusen, Mormolycien oder Striges heißen. Diese Lamien sind ständig begierig nach Menschenfleisch und besonders menschlichem Blut, weshalb sie junge Leute zu locken trachten, indem sie die Gestalt schöner Frauen annahmen und durch Zeigen ihrer Brüste ihre Opfer reizten. Der Name Lamie soll entweder vom arabischen lahama, „zerfleischen”, „zerreißen” stammen oder vom griechischen Wort für Rachen bzw. Kehle.

 

Lamia ist auch ein weiterer Name einer Frau aus Kreta, die sonst Auxesia genannt wird und die wegen einer Dürre durch Steinigung geopfert wurde, der später aber einer Bildsäule errichtet und ihr geopfert wurde, bis die Dürre fruchtbareren Zeiten wich.

 

Lamia soll auch eine andere Wiedergabe des Namens Lilith gewesen sein. Diese gilt als erste Frau des Adam und ist je nach Anschauung Große Göttin oder Dämonin. Dieser Name Lamia wird als Schleiereule oder Nachteule übersetzt. Im Mittelalter war lamia gängiger Begriff für Hexen, die lamiae wurden von manchen als Ungeheuer in Gestalt alter Frauen angesehen. (WALKER, 601)

Nach Wilhelm von Auvergne (1180 bis 1249) und Gervasius von Tilbury (um 1152 bis 1221/8) sind Lamien Hexen, die nachts in Häuser eindringen und kleine Kinder verzehren. (LECOUTEUX, 24f.)