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 Griechische Mythologie
 
 

Midas

Ein sagenumwobener phrygischer König.

Midas hatte einen prächtigen Rosengarten, in den sich ein volltrunkener Silenos verirrt hatte und dort seinen Rausch ausschlief. Listig fing Midas den Weinfreund ein und brachte ihn dem Dionysos zurück.

Der hatte seinen Silenen schon vermisst und gewährte dankbar dem Midas einen Wunsch. Midas war sehr dem Golde zugetan und erbat sich, daß alles, was er berühre zu Gold werden solle. Dionysos erfüllte den Wunsch, aber Midas mußte schon bald feststellen, daß er etwas wesentliches nicht bedacht hatte: Alle Speisen und Getränke, die er zu sich nehmen wollte, wurden sofort zu Gold. Dionysos befreite den Midas von seiner Gabe durch ein Bad des Konigs im Fluß Paktolos. Dieser Wasserlauf führt seitdem Goldsand.

Midas hatte noch weitere Kontakte zu Gottheiten. Apollon und Pan (oder Marsyas) befanden sich im musikalischen Wettstreit, Apollon spielte die Kithara, der Pan blies seine Syrinx. Midas sollte den besseren erwählen und entschied für den Pan.

Apollon war ein schlechter Verlierer und ließ dem Midas Eselsohren wachsen. Von diesem Geheimnis des Königs, der ab sofort eine Mütze trug, erfuhr in der Folge nur dessen Friseur. Dem aber war es unerträglich, ein derartiges Geheimnis für sich zu behalten und flüsterte es in ein Erdloch. An der Stelle wuchs Schilf und flüstert seitdem das Wissen um die bemerkenswerte Eigenschaft des Königs als „Binsenweisheit” in die Welt hinaus.

Midas war historisch ein König von Phrygien (738 bis 696). Laut dem Bericht des Herodot sandte er als erster nichtgriechischer Herrscher ein Geschenk nach Delphi. Er tötete sich selbst, indem er Stierblut trank.
Die etwas despektierlichen Züge der Sagen um König Midas werden als Indiz für das kulturelle Überlegenheitsgefühl der in Augen der Griechen barbarischen Phryger gewertet. Für die Griechen war „Midas” eine Sammelbezeichnung für alle phrygischen Könige.

Im eselsohrigen Midas wird ein Anklang an alte totemistische Kulte angenommen. Vergleichbar den Schamanen hüllte sich der phrygische König demnach in ein Eselsfell, da der Esel das Tier der Fruchtbarkeitsgottheit Dionysos war. „Die Begegnung mit den Phrygiern bedeutete für Hellas ein Hinabsteigen in die Frühzeit der Menschheit, die hier noch einmal bei einem anatolischen Mischvolk eine überraschende Renaissance erlebte.” (WENDT, S. 27)