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| Griechische Mythologie | |
Griechische Schutzgöttinnen der Künste (Musik und Dichtung), später aller geistigen Tätigkeiten (Wissenschaften).
Die Musen gelten als die in neun Nächten gezeugten neun Töchter des Zeus und der Mnemosyne, welche sich in Pierien in Liebe vereint hatten und in Heiterkeit in Gesellschaft der Chariten und der Sehnsucht Himeros leben (HESIOD, Theogonie, 56-64), sie gelten abstrakt auch als Gedächtnis, das dem Dichter dabei hilft, sich an heilige Gesänge zu erinnern.
Von den um einen Altar des Zeus am Berg Helikon ihren Reigen tanzenden Musen will HESIOD, der als Hirt dort seinerzeit seine Schafe hütete, die Dichtkunst und die Kunde von Künftigem und Vergangenem erhalten haben, als Sinnbild dafür einen Lorbeerzweig als Stab (Theogonie, 1-34)
HESIOD beschreibt verschiedene Wirkungsfelder der Musen: Im Himmel erfreut ihr Gesang Vater Zeus, indem sie ohne Unterlaß Loblieder auf die herrschenden Götter singen. Diese neun Musen sind Kleio (die Rühmende), Euterpe (die Erfreuende), Thaleia (die Festliche), Melpomene (die Sängerin), Terpsichore (die Reigenfrohe), Erato (die Liebliche), Polyhymnia (die Liederreiche), Urania (die Himmlische) und Kalliope (die Schönstimmige), welche von allen die vorzüglichste sei. (Theogonie, 36-54)
Weiter sollen Auserwählte, welche von der Muse geküßt wurden, in der Gemeinschaft durch ihr sicheres Urteilsvermögen zu Ansehen gelangen. Denn durch die Musen und den Apollon gibt es Sänger und Meister der Leier, von Zeus stammen die Herrscher (ebd., 80-99).
Nach ihrem Geburtsort in Pierien am Nordfuß des Olymp werden sie auch Pieriden oder Olympiades genannt. Als Sitz der Musen gelten das Helikon-Gebirge mit der Quelle, die der Hufschlag des Pegasus hervorbrachte und der Parnassos. Überhaupt waren Gebirge ihr bevorzugter Lebensraum, nach dem Kithairon nannte man sie auch Kithaerieaden.
Ihnen war auch die Quelle Kastalia bei Delphi geheiligt, weshalb die Musen auch Kastalinnen genannt wurden.
Außer von Zeus sollen die Musen auch vom Himmel Uranos gezeugt worden sein, Mutter ist dann die Erde Gaia.
Angeführt wurden die Musen von Apollon. Als der von Marsyas herausgefordert wurde, erklärten sie den Gott zum Sieger.
In einem Wettkampf mit den Sirenen siegten sie und die Sirenen warfen sich ins Meer.
Waren die Musen den Griechen noch Hüterinnen der Künste schlechthin, wiesen die Römer jeder ein eigenes Fachreferat zu.
Im einzelnen waren diese: Erato (Poesie, bes. Liebesdichtung), Euterpe (Flötenspiel und tragische Chöre), Kalliope (Poesie, Philosophie und Rethorik), Kleio (Geschichte), Melpomene (Gesang), Polyhymnia (Lyraspiel), Terpsichore (Tanz), Thaleia (Komödie) und Urania (Sternenkunde).
Sappho begründete auf Lesbos den Musen und Apollon eine Kultgemeinde, auch Pindar sah sich als Prophet der Musen. Von HESIOD wurde ähnliches bereits erwähnt, er gab diesen Göttinnen nach dem Ort ihres Zusammentreffens den Beinamen Helikoniades.
Ein weiterer Beiname der Musen ist Aganippides. Ihn tragen sie nach der Quellnymphe Aganippe. Die war eine Tochter des Flusses Termessos, der den Berg Helikon umfloß (PAUSANIAS, Boeotien, 29). Wer aus diesem Wasser trank, dem wurde die Gabe des Dichtens zuteil.
In Wörtern wie Museum, musisch oder Musik leben die Musen fort. Das Museion (Museum) von Alexandria war ein Heiligtum der Musen und Zentrum der antiken Wissenschaft, das die berühmteste Bibliothek des Altertums beherbergte, welche um die Zeitenwende 700.000 Schriftrollen umfaßte.
Die griechischen Musai entsprechen den römischen Camenae.