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Atlantisbericht des Platon

In seinen Dialogen Timaios und Kritias beschrieb der griechische Philosoph PLATON (427-347 v.) ein Königreich von - aus Sicht des Griechen - außerordentlichem Reichtum und höchstem kulturellen Stand. Die Dialoge sind ein Gespräch des Sokrates, dem Lehrer des Platon, mit dem Pythagoreer Timaios und dem Kritias, einem Onkel des Platon mütterlicherseits und wie der Anhänger des Sokrates. Darin wird die Staatsordnung von Atlantis als Idealbild eines Staates beschrieben.

Die Gespräche zwischen Sokrates, Glaukos, Timaios, Kritias und einigen anderen, darunter wohl auch Platon selbst, hatten im Rahmen eines der thrakischen Mondgöttin Bendis geweihten Festes im Peiraeieus stattgefunden.
Darin erzählte Kritias - so Platon - von einer Überlieferung, die auf Solon (~640-594/593 v.), einem der „Sieben Weisen” des Altertums und Gesetzgeber Athens, zurückgehe. Der habe bei einem Besuch in Sais, Ägypten, Einsicht in die Archive der ägyptischen Priester gehabt und eine entsprechende Inschrift gelesen habe, die von Geschehnissen berichtete, die zu Lebzeiten Solons bereits 9000 Jahre zurücklagen.

Der Priester, sein Name sei Sonchis, Pet-en-Neith (Himmel der Neith) gewesen, hielt dem Griechen dessen kurze Überlieferung vor: Was bei denen mythisch verkleidete Fabel sei, besonders die Geschichte von Phaetons verheerender Fahrt im Wagen seines Vaters Helios oder die von Zeus gesandte Flut, der allein Deukalion und Pyrrha entrannen, das seien verstümmelte Berichte einstmaliger Katastrophen, von denen die uralten Texte der Ägypter kündeten, die selbst von den Katastrophen verschont geblieben seien.

Einstmals, vor der Flut, sei der athenische Staat bereits vollkommen eingerichtet gewesen und habe sich den angreifenden Atlantern widersetzen können.

Deren Reich habe jenseits der „Säulen des Herakles” gelegen und sei eine große Insel gewesen, größer als Lybia und Asia zusammen. Noch jenseits dieser gebe es weitere Inseln, über die man zu noch weiter entfernten Ländern gelangen könne. Auf der großen Insel sei das Reich der Atlanter gewesen, die von hier aus umliegende Inseln und Küstengebiete beherrscht hätten.

Das endete, als „während eines einzigen schlimmen Tages und einer einzigen schlimmen Nacht” nicht allein Atlantis im Meer versank sondern im Zuge dieser Katastrophe auch die Völker ringsum, einschließlich der griechischen Urahnen Solons.

Bis dahin aber soll es ganz vortreffliches und fruchtbares Land gewesen sein. Hier entsproß ein Menschengeschlecht der Erde. Einer von ihnen, Euenor, heiratete die Leukippe und zeugte mit ihr die Kleito. Diese liebte der Poseidon, jener Olympier, dem nach der Machtergreifung des Zeus die Herrschaft über das Meer zugewiesen wurde. Sie zeugten Kinder, fünf Zwillingspaare, für die Poseidon die Insel Atlantis einrichtete.

Poseidon zog um einen Berg von rotem, schwarzen und weißen Gestein drei kreisförmige breite Gräben, wodurch die zentrale Insel vollkommen geschützt lag. Auf der bohrte er zwei Brunnen, von denen der eine kalte, der andere heißes Wasser lieferte. Die ganze Insel teilte er in zehn Gebiete, die von seinen Kindern beherrscht wurden. Der älteste, Atlas, herrschte über alle und wohnte bei seiner Mutter Kleito, die übrigen regierten als Unterkönige über ein zahlreiches Menschengeschlecht.

Dia Atlanter gruben durch die Wasserkreise Gräben, durch das man mit Schiffen, der Bericht nennt hier Trieren, bequem die Insel erreichen konnte, wo die Königsburg stand, in deren Akrokoplis ein dem Poseidon und der Kleito geweihter Tempel stand, den niemand betreten durfte, sowie ein Tempel des Poseidon selbst, der mit ganz mit Silber, seine Zinnen mit überzogen Gold war. Sonst waren die März mit Bergerz beschlagen.

Um die Königsburg herum weitete sich eine Ebene, die nach Süden hin sanfter zum Meer abfiel, nach Norden hin durch hohe Gebirgszüge vor kalten Nordwinden geschützt war. Die ganze Ebene umgab ein weiterer Kreisgraben, in den Gebirge und Ebene entwässerten.

Das Staatswesen sei sehr geordnet gewesen und habe lange in Wohlstand geblüht, die Menschen, hätten dem Poseidon das gebotene Stieropfer dargebracht, seien sanftmütig gewesen, dabei klug und stark. Diesen Vorzug verdankten die Atlanter ihrer Herkunft vom Gott.
Allmählich aber schwand durch dauernde Vermischung mit den übrigen Menschen der göttliche Anteil und die Atlanter verderbten allmählich zu Lasterhaftigkeit und Grobheit.
Irgendwann habe der Zeus von Ihnen genug gehabt und beschloß eine Strafe - an dieser Stelle bricht Platons Text leider ab.

Ob dieser Entwurf des Platon eine staatstheoretische Utopie ist, reine Phantasie, wie es sein Schüler Aristoteles behauptete, oder ob Platon hier auf einen Tatsachenbericht abstellte, wird wohl so lange umstritten bleiben, bis Atlantis vielleicht einmal tatsächlich gefunden wird. Es heißt jedenfalls, über keinen Mythos seien derart viele Bücher geschrieben worden, wieüber diesen.

Karte des Hekataios
Hekataios entwarf um 500 v. eine Weltkarte, die das Weltbild des antiken Griechenland zeigt.
 
Als Beleg dafür, daß Platon hier keineswegs ein Phantasiegebilde ausbreite, sondern eine vergangene Wirklichkeit beschreibe wird angeführt, daß der Bericht eine für seine Zeit unerhörte Behauptung enthalte.
Das Weltbild sah seinerzeit eine Erdscheibe vor, die vom Okeanos umflossen wurde. Jenseits der Säulen des Herakles sei keinerlei Raum für eine derart große Landmasse, wie sie Platon für Atlantis unterstellt, erst recht nicht die erwähnten noch weiter entfernten Inseln und Festländer - einen derartigen Widerspruch hätte Platon sich kaum ausdenken können und - da zu phantastisch - auch kaum zur Illustration seiner Staatsidee benutzt (vgl. Muck 1978, 56ff.).

Auffallend ist die Paralle zu anderen Sintflutgeschichten. Die gottgezeugten Atlanter seien durch Vermischung mit den Sterblichen allmählich verdorben, weshalb der Gott eine Strafe sandte, vermutlich die den Griechen geläufige Deukalische Flut. In der Bibel heißt es, die „Kinder Gottes” hätten sich mit den Menschentöchtern vermischt und ein gewaltiges, aber rauhes Menschengeschlecht gezeugt - wenig später vertilgte sie der biblische Gott in der Sintflut, der nur die Familie des Noah entrann (1. Mose 6ff.).