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| Griechische Mythologie | |
(griech. Meer), Oceanus (lat.), Ozean (dt.). Der Ozean in Personifikation eines Gottes. Okeanos ist in der griechischen Götterwelt einer der Titanen.
Bei HOMER heißt der Okeanos Vater, seine Gattin Tehtys entsprechend Mutter (Ilias, 14.201) und Strom, der allen Geburt verliehn und Erzeugung. (ebd., 14.246)
HESIOD nennt ihn als ersten von zwölf Göttern, die aus der Umarmung Gaias durch den Uranos hervorgingen (Theogonie, 132-136)
In orphischer Vorstellung ist Okeanos als ältester der Götter Sohn des Äthers, der sich mit dem Chaos vermengte und so ein Ur-Ei entstand, das von der Nacht ausgebrütet wurde.
Okeanos ist Bruder und Gatte der Tethys und mit ihr Vater der Flußgötter, Meeres- und Quellnymphen (Okeanides, Okeanines. Von ihnen stammen sämtliche Quellen, Flüsse und Seen ab.
Jenseits des berühmten Okeanos sollen die Hesperiden wohnen und die goldenen Äpfel und früchtetragenden Bäume hüten (Theogonie, 215), in ihrer Nähe leben die Gorgonen (ebd., 274)
Auch die Weide, auf der Eurytion und Orthos die Rinder des Geryoneus hüteten, lag jenseits des berühmten Okeanos (ebd., 294).
Der alte Meeresgott Okeanos ist das Meer bzw. der Fluß, der in der Unterwelt entspringt und als Weltstrom die bewohnte Erde um- und durchfließt und diese Menschenwelt von der jenseitigen Unterwelt Hades und dem Himmel des Zeus ebenso trennt wie es beide verbindet. So führt er nach dem Sieg der Titanen über Uranos dessen Bruder Pontos fort.
Die Leser der heiligen Bücher des Orpheus kannten eine Erzählung, wonach Phorkys, Kronos und Rhea die ältesten Kinder des Okeanos und der Thetys waren, die ihrerseits von der Erde und dem Himmel oder (...) von der unteren und oberen Hälfte des Ur-Eis abstammten. (O. KERN, Orphicorum fragmenta, 16, z. n. KERÉNYI, 39)
Nachdem alles aus ihm seinen Ursprung genommen hat, fließt Okeanos immer noch, am äußersten Rand der Erde, in sich zurückströmend, im Kreise. Alle Gewässer entspringen fortwährend seinem breiten, starken Strom. Ganz im Westen des Okeanos liegt, umflossen vom Fluß des Vergessens Lethe, das Elysion, Aufenthaltsort der Seligen.
Als Zeus sich die Welt unterjocht hatte, durfte Okeanos als einziger der alten Götter an seinem angestammten Ort bleiben, weil er sich, anders als seine Geschwister, nicht an dem Angriff auf Zeus beteiligt hatte. Gern hielt er sich in Personifikation in Äthiopien auf, wo ihn auch die anderen Götter aufsuchten, um an seinen Festen teilzunehmen.
Okeanos besucht den Prometheus (sein Enkel), als der hoch im Kaukasus an dem Felsen geschmiedet hängt. Er ist in Begleitung der Okeaniden und reitet ein geflügeltes Pferd (Aischylos, Der Gefesselte Prometheus) und verspricht dem gefesselten - vorerst vergebliche - Fürsprache bei Zeus.
Okeanos und seine Gattin Thetys zürnten später einander und haben sich einander abgewandt, wie es Homer berichtet. Wäre dem nicht so, zeugte das Titanenpaar noch immer ständig neue Quellen, Flüsse, Ströme und die Welt geriete aus den Fugen.
Sonst sind seine Kinder mit der Thetys: Acheloos, Aesapus, Alpheus, Ardescus, Eridanus, Evenus, Granikus, Haliakmon, Heptaporus, Hermus, Istrus, Kaikos, Ladon, Mäander, Nessus, Nilus, Parthenius, Phasis, Peneus, Rhesus, Rhodius, Sangarius, Scamander, Simoenta, Strymon und an die dreitausend Töchter, darunter Admete, Akaste, Amphiro, Asia, Dione, Doris, Elektra, Eudore, Europa, Eurynome, Galaxaure, Hippo, Idyia, Janita, Janthe, Kallirhoe, Kalypso, Kaphira, Kerkeis, Klymene, Klytie, Krisie, Melobosis, Menestho, Metis, Ocyroe, Pasithoe, Perseis (oder Perse, die Mutter der Kirke (HOMER, siehe den Artikel Okeaniden und Okeaninen.
Über weitere Gattinnen und Kinder gibt es verschiedene abweichende Meinungen, auch daher, weil Okeanos gelegentlich mit dem Pontos und dem jüngeren Meergott Poseidon vermengt wird. Als weitere Gattinnen gelten so Pampholyge und Parthenope, mit der ersten sei er Vater von Asia und Libya, mit der zweiten von Europa und Thrace, es stammen von ihnen somit die Kontinente. Als seine Töchter gelten noch Adrastäa, Althäa und Idothea, auch Aethra, Philyra und Pleione.
Als Söhne gelten Axius, Cephisus, Helios, Inachus, Nereus, Proteus, Triton und verschiedene mehr, darunter die Hyaden.
In Begriffen wie Ozean oder ozeanisch lebt Okeanos in der Sprache fort.
Das Bild des Ozeans, dem alles Fließende entstammt, zeugt von tiefem Verständnis für den irdischen Kreislauf und entspricht geologischen Prozessen. Wasser, egal ob in Eisberg, Wein oder Schweinsblase, ist immer das eine Wasser und Voraussetzung alles irdische Leben.
Auch der auf uns herab tropfende Regen war vielleicht dereinst Wasser eines Meeres, das verdunstete und von Wolken über unsere Köpfe getragen wurde. So gesehen ist in der Tat jede Quelle ein Abkömmling des einen Okeanos, der früher oder später alles Land erodiert oder überspült wie es anderswo wieder auftaucht. Unberührt bleiben dagegen der Grund, auf dem sich das Geschehnis abspielt, sowie der darüber liegende Himmel.
Diese Prozesse sind nicht allein klimatische, aus dem Zusammenspiel von Sonne und im Meer gelöster Substanzen sollen sich auch erste Eiweiße gebildet haben, aus welchen schließlich das Leben entstanden sei.
Die Griechen erkannten im ägyptischen Urgott Nun ihren Okeanos wieder (BELLINGER, 351).