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 Griechische Mythologie
 
 

Poseidon

In der griechischen Mythologie ist Poseidon der Meergott, auch Gott der Flüsse und Seen. Seine Eltern sind Kronos und Rhea.
Dargestellt wird Poseidon vornehmlich mit blauen Haaren, blauen Augen und langem Bart sowie dem Dreizack. Er fährt in einer Muschel, die von Seepferden gezogen wird, in durch das Meer, die Nereiden und die Tritonen bilden sein Gefolge.

Des „dröhnenden Erderschütterers” und „dunkelgelockten” (HESIOD, Theogonie, 456 u. a.) Poseidon Vater Kronos pflegte alle seine Kinder zu verspeisen und auch Poseidon entging ihm nicht. Aber Rhea ließ ihm ein Brechmittel verabreichen, so daß Kronos den Poseidon wieder ausspieh. Oder Rhea vertauschte ihn heimlich gegen ein Fohlen, das der Vater statt seiner verschluckte, den Poseidon versteckte sie am Brunnen Arne in Arkadien in einer Herde Widder (PAUSANIAS, Arkadien, 8.1-2). Arno übernahm die Erziehung des Kleinen.

Als sein jüngerer Bruder Zeus (nach Homer ist der der ältere) den Kronos gestürzt hatte, warfen er, Hades und Zeus Lose, wer welchen Teil der Welt beherrschen sollte. Zeus erhielt den Himmel, Hades die Unterwelt und Poseidon alle Gewässer. Es wird aber auch gesagt, Kronos habe ihn überhaupt nicht verschlingen wollen und Poseidon von vornherein die Meere zugesprochen.

Seinem Bruder Zeus half er im Kampf gegen die Titanen. Von den Kyklopen, die auch als seine Kinder gelten, erhielt er dazu seinen Dreizack. Als die Titanen in den Tartaros gesperrt waren, verschloß Poseidon ihr Gefängnis mit eiserner Pforte. Auch half er im Kampf gegen die Giganten, von denen er den Polybotes tötete, indem er einen Teil der Insel Kos auf ihn warf, als der durch das Meer entkommen wollte. Bei einem anderen Aufstand der Götter gegen Zeus war es hingegen Poseidon, der den Olympier fesselte. Als Zeus schließlich doch siegte, mußten Poseidon und Apollo eine Zeit dem Laomedon, König von Troja, dienen, sie errichteten ihm die Mauern der Stadt. Weil Laomedon ihnen den versprochenen Lohn vorenthielt, sandte ihm Poseidon eine Überschwemmung und ein Meeresungeheuer. Auch dem Kepheus von Äthiopien schickte er einen solchen Schrecken.

Umgekehrt vermag Poseidon das Wasser sinken zu lasssen. Die Insel Otygia ließ er überfluten, damit die eifersüchtige Hera nicht die von ihrem Gatten Zeus schwangere Leto entdecke. Zur Zeit der Niederkunft ließ er Teile von Otygia trockenfallen, was herausschaute bildete die Insel Delos.

Mit Hephaistos und Athene wetteiferte Poseidon einmal, wer das köstlichste schaffen könne. Er stellte einen Stier, Hephaistos einen Menschen und Athene eine Haus her, fand die tadelnde Göttin Momos an allem etwas auszusetzen. Dagegen erbrachte ein anderer Wettkampf dieser Art ein Ergebnis:

Die Seemacht Athen hatte ein nicht immer spannungsfreies Verhältnis zu Poseidon. Der stritt dereinst um sie mit der Athene um die Herrschaft über Attika und man begann einen Wettkampf. Wer von beiden Gottheiten das Nützlichere hervorbringe, dem solle die Stadt angehören. Poseidon stieß seinen Dreizack in die Erde und brachte eine salzene Quelle hervor (nach anderen ein Pferd), Athene einen Ölbaum. Die Jury der olympischen Götter entschied zugunsten der Athene, woraufhin der wütende Poseidon ganz Attika eine Überschwemmung sandte.
An der Stelle jenes Brunnens und Ölbaums errichtete man später das Erechtheion auf der Akropolis von Athen.

Auch mißfiel ihm, daß Inachos der Hera die Landschaft Argolien zusprach. Seine Antwort war eine Dürre, bei der rings um Argos alle Brunnen versiegten.

Als Schöpfer der Pferde war es Poseidon ein leichtes, dem Peleus zu seiner Hochzeit die beiden prächtigen Rosse Balthos und Xanthos zu schenken, die sogar sprechen konnten und zahlreiche weitere Taten des Poseidon sind überliefert. Er verwandelte Periklymenus in einen Adler, die Caenis in einen Mann und den Kriegsgott Ares verklagte er am Areopag, weil der seinen Sohn Hallirhothius ermordet hatte.

Einen Streich spielte Poseidon dem König von Kreta, Minos. Der wollte ihm einen aus dem Meere gestiegenen Stier opfern, brachte es aber nicht über das Herz, das schöne Tier zu töten. Poseidon machte darum dessen Gattin Pasiphae verliebt in das Rind, so daß sie Mutter des Minotauros wurde.

Den Odysseus verfolgte Poseidon auf dessen Heimreise von Troja, weil der Poseidons Sohn Polyphem geblendet hatte. Zürnend lebte Poseidon getrennt von den übrigen Göttern in Äthiopien, wo die Sonne sowohl auf- als auch untergeht (HOMER, Odyssee 1.20ff. und 1.67ff.).

Poseidon werden eine Unzahl von Gattinnen und Nachkommen zugesprochen. Eigentlich wollte er die Thetis zur Frau nehmen, doch sagte ihm das Orakel, deren Sohn würde stärker als er selbst sein. Statt ihrer wählte er die Amphitrite, um die er durch einen Delphin werben ließ, der noch heute als Sternbild zu sehen ist. Mit Amphitrite ist er Vater des Triton und der Rhode. Sie beide sollen auch Eltern der drei Kyklopen Brontes, Steropes und Phrakmon sein.

Mit der Kleito zeugte Poseidon den Atlas. Der herrschte als erster König der Atlanter mit seinen elf Brüdern über das versunkene Reich Atlantis. Hierzu siehe den Atlantisbericht des Platon.

Weitere Gemahlinnen und Nachkommen, darunter einige der bekanntesten Gestalten der griechischen Mythologe, entnehmen sie bitte der gesonderten Übersicht.

Die Verehrung des Poseidon war sehr verbreitet und soll zuerst in Libyen üblich gewesen sein.
Auf Rhodos soll Kadmos seinen Dienst eingeführt haben. Auf der Suche nach der entführten Europa war sein Schiff vor der Insel in einen Sturm geraten und Kadmos hatte für den Fall der Rettung einen Tempelbau gelobt. Gerettet setzte er das Gelübde in die Tat um, einige seiner Begleiter versahen fortan auf Rhodos den Dienst zu Ehren des Gottes.
Ein berühmter Tempel stand am Isthmus von Korinth, wo ihm zu Ehren die Isthmischen Spiele gefeiert wurden. Bei Mantinäa befand sich eines seiner Heiligtümer, das ausschließlich von Frauen betreten werden durfte. Auf der Insel Kalauria diente ihm in seinem Tempel eine Jungfrau als Priesterin so lange, bis sie heiratete.
Bevor Delos an Artemis und Apollo überging, hatte er dort mit der Erde (Demeter) ein Orakel. Die Erde gab dort ihre Sprüche selbst ab, Poseidon antwortete durch den Priester Pyrkon.
Ein uraltes, gewaltig großes und prächtiges Heiligtum Poseidons befand sich nach Platon in Atlantis (Kriton 1105).

Beinamen des Poseidon sind unter anderen Aegeus, Asphaliaeus, Basileus, Canobus, Consus, Erechthreus, Elymnius, Equestris, Gaeäuchus, Genesius, Heliconius, Hippius, Isthmius, Nisyreus, Onchestius, Petraeus, Phitalmius, Prosclystius, Samius, Taenarius oder Themeluchus.
Homer nennt ihn gern den „Erderschütterer”, weil er mit seinem Dreizack Erdbeben hervorruft.

Bei den Römern hieß Poseidon Neptun.

 

Siehe auch

> Namen und Beinamen des Poseidon

> Übersicht seiner Gemahlinnen und Nachkommen

 

Quelle: Die Darstellung folgt überwiegend HEDERICH, Stichwort „Neptunus”, Sp. 1709 - 1722.