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 Griechische Mythologie
 
 

Tartaros

(griech. „Abgrund”, lat. Tartarus, auch Infernus) Die griechische Unterwelt bzw. der Raum noch unterhalb der eigentlichen Unterwelt und dann Strafort der Frevler.
Tartaros ist Sohn der Gaia, der gleich als erstes von ihr entstand, seine Brüder sind Pontos und Uranos.

HESIOD beschreibt den Tartaros als finsteren und tiefen Raum weit unter der Erde. Ein Amboß, den man vom Himmel zur Erde fallen ließe, würde neun Nächte und Tage unterwegs sein, von der Erde zum Tartaros nocheinmal neun Nächte und Tage. Um den Tartaros zieht sich ein eherner Zaun, sein Hals (?) ist dreifach von Nacht umlagert. Über ihm sind die Wurzeln der Erde und des unwirtlichen Meeres gewachsen. (Theogonie, 721-728; vgl. die Vorstellungen vom nordischen Weltenbaum Yggdrasil, dessen Wurzel in das finstere Niflheim hinabreicht).

In dieses Göttergefängnis verbannte einst Uranos die Kyklopen und die Hekantoncheires. Als Zeus gegen die Titanen schritt, befreite er diese Riesen und erhielt von den Kyklopen den Blitz, während die anderen mit ihren jeweils hundert Armen selbst in den Kampf eingriffen. Nach dem Sieg wurden die Titanen in den Tartaros verbannt, zu Wachen bestellte man die Hekatoncheires (Theogonie, 635ff.) und Poseidon errichtete eherne Tore. (ebd., 733)

Nach der Machtübernahme des Zeus erhielt dessen Bruder Hades den Tartaros zum Herrschaftsgebiet. Der Tartaros wurde zu einem besonders finsteren Teil der Unterwelt, einem Ort der Strafe, umgeben von einer dreifachen Mauer und umflossen vom Pyriphlegethon.

Auch Frevler büßen hier ihre ewigen Strafe: die Danaides, Orion, Sisyphos, Tantalos oder Tityos. Der so verstandene Tartaros steht im Gegensatz zum himmlischen Elysion.

Kurz nach Ende des Titanenkampfes gebar Gaia, die sich mit dem Tartaros in Liebe vereint hatte, als jüngstes ihrer Kinder den Typhoeus, ein Ungeheuer mit nie ermüdenden Kräften, hundert Schlangenköpfen mit Augen, aus denen Feuer schoß und die verschiedensten Stimmen ertönten, daß es den Göttern im Himmel und sogar den Titanen im Tartaros ein Grausen war. (Theogonie, 820ff)

 

Siehe auch Daemogorgon.

 

Den Begriff Tatarus kennen auch Texte jüdisch-christlicher Tradition, etwa das apokryphe Buch Henoch. Hier heißt es, der Erzengel Uriel stehe dieser Welt vor (WEIDINGER, Die Apokryphen, 311).

 

Als Tartarus bezeichnet man auch einen Bestandteil des Traubensaftes, den Weinstein, der sich bei der Lagerung von Wein an den Gefäßwänden niederschlägt (Merck’s Warenlexikon, 479).