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| Griechische Mythologie | |
(lat. Tiresias; Name v. teirea, Zeichen) Ein blinder Seher und Zeichendeuter aus Theben.
Teiresias lebte in Theben und war Sohn des Everes (auch Everes, Eurius, Eurus, Eurimus), weshalb man ihn auch Everides nannte, und der Nymphe Chariklo, welche eine der Gefährtinnen der Göttin Pallas Athene war.
Er wurde auch ein Nachfahre des aus den Zähnen des kastalischen Drachens entsprossenen Sparten Udaios (Grundmann) genannt.
Teiresias soll Zeitgenosse des Kadmos gewesen sein und während seines enorm langen Lebens (sie unten) die Schicksale von dessen Nachkommen miterlebt haben.
Eine Tochter des Teiresias ist Historis.
Es gibt unterschiedliche Erklärungen für die seherische Begabung des Teiresias. Entweder hatte er einmal die Göttin Athene nackt beim Baden zugesehen und war darum von der Göttin geblendet worden oder der Hera mißfiel des Teiresias Urteil in einem Streit, den die Göttin mit ihrem Gatten Zeus hatte.
Als Pallas Athene durch Böotien reiste, begab sie sich mittags auf dem Helikon in der Quelle Hippukrene (Quelle des Pferdes) zum Bade. Teiresias war dort gerade zur Jagd und durstig begab er sich just in dem Augenblick zur Quelle, als dort die entblößte Göttin weilte. Die blendete ihn, indem sie ihre Hände auf die Augen des Teiresias legte, entschädigte ihn dafür aber — der Chariklo zuliebe — durch die Gabe, die Sprache der Vögel zu verstehen und mit einem blauen Stecken aus dem Holz der Kornelkirsche, mit dessen Hilfe er sich orientieren konnte.
Oder Teresias mußte einen Disput zwischen Hera und Zeus entscheiden.
Der junge Teiresias war Hirte und hatte an einer Wegscheide des Kithairon bzw. des Kyllene zwei sich paarende Schlangen gesehen und das Weibchen mit seinem Stock erschlagen, worauf er in eine Frau verwandelt wurde. Seinen neuen Körper erforschte er, indem er sieben Jahre lang Tempeldirne wurde. Als er Jahre später erneut zwei sich paarende Schlangen erblickte und auf sie einschlug, traf er das Männchen und verwandelte sich zurück. So mit beiderlei Erfahrung ausgestattet, war er dem Götterpaar ein kompetenter Schiedsrichter: Gegenstand des Streits war nämlich, wer mehr Spaß an der geschlechtlichen Liebe hätte, Frau oder Mann. Teiresias sprach den Frauen neun Teile von Zehnen des Vergnügens zu, dem Mann das zehnte Zehntel. Wütend blendete ihn daraufhin die Hera, Zeus aber verlieh ihm die Sehergabe und billigte ihm eine um das Siebenfache des Üblichen verlängerte Lebensspanne zu. (Ovid, Metamorposen III,316-338)
Einer dritten Ansicht nach wurde Teiresias von den Göttern mit Blindheit geschlagen, weil er den Menschen deren Heimlichkeiten verraten habe.
Teiresias soll sich besonders der Deutung des Vogelflugs wie auch der Astrologie gewidmet haben.
Nach der Geburt des Herakles soll Teiresias, seinerzeit war Amphitryon König von Theben, dessen Taten und Schicksal geweissagt (KERÉNYI, 112) und dem Amphitryon dessen wahren Vater entdeckt haben (KERÉNYI, 109).
Er sah das Schicksal des Narcissus voraus (Ovid, Metamorposen III,339-356), weissagte dem Pentheus (ebd. III,511-530).
Dem Laios riet Teiresias von einem Besuch des Orakels des Apollo in Delphi ab, denn weil der Gott ihn hasse, solle er besser der Hera opfern. Hätte Laios auf den Seher gehört, wäre er nicht seinem Sohn Oidipus begegnet und von dem erschlagen worden. Dem Oidipus offenbarte Teiresias nachher die tragischen Verstrickungen seines Lebens.
Als Theben bedroht war riet Teiresias, einer aus dem Geschlecht derer, die der Drachensaat entsprossen waren, müsse sein Leben lassen. Also stürzte sich Menökus freiwillig in den Tod und Theben war gerettet.
Angesichts des Angriffs der Epigonen riet Teiresias jedoch zur Flucht. Man räumte die Stadt und Theben wurde von den Truppen der Epigonen zerstört.
Nach der Flucht aus Theben trank der hochbetagte Teiresias aus dem Brunnen Tilphosa, wovon er gestorben sein soll. Zu Thilphosa wurde er auch bestattet, in Thebem ihm ein Ehrengrab errichtet.
Als einziger menschlicher Toter konnte Teiresias seinen Verstand mit in die Unterwelt Hades nehmen.
Wegen dieser von Persephone gewährten Gunst konnte ihn nach seinem Tod der Odysseus befragen (HOMER, Odyssee 11.90ff.).
Zu Orchomenus hatte Teiresias eine Orakelstätte.
Es heißt auch, Teiresias sei nach seinem Tod in eine Maus verwandelt worden; diesen Tieren wird eine Art zu wahrsagen zugeschrieben. (HEDERICH, Sp. 2380)
Soweit nicht gesondert angegeben folgt die Darstellung der mythischen Überlieferung HEDERICH Gründliches mythologisches Lexikon, Sp. 2377ff. und KERÉNYI, Mythologie der Griechen, 84 bis 86.