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 Griechische Mythologie
 
 

Theseus

Herkunft und Jugend
Auf Kreta
Rückreise nach Athen
König Theseus
Tod
Vermischtes

 
Der Nationalheros des antiken Athen.

 

Herkunft und Jugend

Er ist der Sohn des Aigeus, König von Athen, und der Aithra, der Tochter des Königs Pitheus von Troizen. Aigeus hatte in Athen von zwei Frauen keine Kinder bekommen. Darüber verzweifelnd begab er sich zum Orakel, wo er ihm unverständliche Antwort erhielt. Auf dem Rückweg kehrte er bei Pitheus ein. Der machte Aigeus trunken und sorgte dafür, daß Aigeus die Aethra, Tochter seines Wirtes, schwängerte.

Als Aigeus merkte wie ihm geschehen war, zog er davon, vorher aber versteckte er sein Schwert und seine Sandalen unter einem schweren Stein. Wenn Aethra einen Sohn bekommen sollte, so verlangte er von ihr, solle sie diesem anweisen, den Stein anzuheben und mit den gefundenen Dingen nach Athen zu kommen, wenn er herangewachsen sei.

Theseus wuchs unter Erziehung des Konnidas zu einem kräftigen Jüngling heran, der sich schon als Knabe durch seinen Mut auszeichnete. Einmal war Herakles zu Besuch bei Pitheus. Der Held hatte seine Löwenhaut abgelegt und während alle anderen Kinder - meinend, das Fell sei ein lebendiger Lowe - davonliefen, nahm der erst siebenjährige Theseus eine Axt und ging damit wacker das vermeintliche Untier an. (Pausanias,Attika, 27,7)

Als Theseus sechzehn Jahre alt war, wies ihm seine Mutter jenen besagten Stein, den Theseus mühelos anzuheben vermochte und Sandalen und Schwert des Vaters fand (ebd., 27,8). Damit begab sich Theseus nach Athen - er wählte für die Reise nicht den sichereren Seeweg, wie ihm Mutter Aethra und Großvater Pitheus geraten hatte. Lieber Theseus entschied für eine Reise zu Lande und hatte so Gelegenheit, seinem Vorbild Herakles nachzueifern und allerlei Raubgesindel zu erschlagen.

In Epidauros stellte sich ihm Periphetes mit eherner Keule entgegen, den Theseus überwand und ihm die Waffe abnahm, um mit dieser Keule - wieder ist Herakles Vorbild - etliche Weitere niederzumachen. Auf dem Isthmus traf er auf den Sinis, der seine Opfer dergestalt hinzurichten pflegte, daß er sie mit Armen und Beinen zwischen zwei zusammengebogene Bäume (Strandkiefern) fesselte und dann die Bäume losgab, so daß diese auseinanderschnellten und den Leib des Gehenkten zerrissen. Ebenso verfuhr mit ihm sein Überwinder Theseus (PAUSANIAS,Argolis, 1,4), der außer diesem noch bei Megara den Skiron von den Skironischen Klippen stürzte und drittens den Cercyon tötete. Neben diesen Räubern erlegte Theseus auch ein ungeheures, wütendes Schwein, die kromyonische Sau Phaia (ebd.).

So tätig gelangte Theseus nach Athen. Hier schlug ihm zunächst Mißtrauen entgegen und Medea, die berühmte Zauberin, die gerade zu Gast war, riet dem König Aigeus, der seinen Sohn nicht erkannte, diesen Fremden mit einem Gifttrunk zu vergiften. Als aber Theseus sein Schwert vorzeigte, erkannte Aigeus seinen Sohn und nahm ihn glücklich als seinen einstigen Nachfolger auf. Die fünfzig Söhne des Pallas, die sich angesichts des vermeintlich kinderlosen Aigeus Hoffnung auf den Thron gemacht hatten, wurden von Theseus getötet.

 

Auf Kreta

Zu dieser Zeit litten die Athener unter einem gewaltigen Stier, der das Land umher verwüstete. Theseus gelang auch der Sieg über diese Bestie, die er fangen und nach Athen treiben konnte, wo er sie auf der Akropolis der Göttin opferte (Pausanias,Attika 27,10).

Kaum war das vollbracht dräute neues Ungemach. Minos, der König von Kreta, hatte sich Athen tributpflichtig gemacht und verlangte regelmäßig sieben Knaben und sieben Mädchen, die er dem Minotauros in dessen Labyrinth sandte. Fast alle Familien Athens hatten dieses Opfer bereits bringen müssen, einzig der kinderlose Aigeus, dem dieser Schrecken zu verdanken war, war bislang verschont geblieben. Darum entbot sich Theseus, mit auf das Schiff zu gehen. Dem unglücklichen Vater machte er Mut, er wolle schon gesund wiederkommen und das solle Aigeus daran erkennen, daß die zurückkehrenden Schiffe weiße Segel setzen würden, bei widrigem Ausgang hingegen schwarze Segel.

Mit Hilfe der Ariadne, der Tochter des Minos, die sich in Theseus verliebt hatte, gelang dem die Erlegung des Minotauros, einem Mischwesen aus Mensch und Stier, außerdem die Rückkehr aus dem Labyrinth.

 

Rückreise nach Athen

Theseus segelte mit Ariadne und den geretteten Athenern fort und sie landeten auf der Insel Dias (später Naxos genannt). Hier erschien ihm im Traum der Gott Dionysos und begehrte Ariadne für sich, weshalb Theseus ohne sie weiterzog (es heißt auch, die Göttin Artemis habe sie zurückgehalten (HOMER, Odyssee 11,321f.) oder aber Theseus habe Ariadne verlassen, da er mit der Kreterin nicht heimzukommen wagte).

Weiter unterwegs landete man auf der Insel Delos, die dem Apollo geweiht war. Diesem Gott widmete Theseus ein von Daidalos angefertigtes Kultbild der Aphrodite, das ihm Ariadne geschenkt hatte (PAUSANIAS,Böotien 40,4). Theseus unterwies die Jugend von Delos auch in einem besonderen Tanz. Dieser „Kranich” (Geranos) genannten Reigen war dem Gängen des Labyrinths nachempfunden und soll einst der Ariadne von Daidalos gelehrt worden sein (HOMER, Illias 18.590ff.).
Überdies veranstaltete Theseus auf Delos Wettkämpfe zu Ehren des Apollo, bei denen dem Sieger ein Palmzweig in die Rechte gegeben wurde, womit diese Sitte ihren Anfang genommen haben soll (Pausanias,Arkadien 48,3).

Weiter ging die Heimfahrt gen Athen. Doch Theseus hatte vergessen, das weiße Segel zu setzen. Sein Vater Aigeus, der an der Küste Ausschau hielt, erblickte das schwarze Segel, wähnte seinen Sohn verstorben und stürzte sich von den Klippen in das nach ihm so genannte ägäische Meer.

 

König Theseus

Theseus wurde nun als Nachfolger seines Vaters König von Athen; in Troizen errichtete er zu Ehren der Artemis einen Tempel, schuf aus mehreren Gemeinden den Synoikismus Attikas — dieser Gemeindebund begründete den attischen Stadtstaat Athen — und führte die Panathenäen ein.

Nun zog Theseus gegen die Amazonen, die ihrerseits ihn angriffen, aber dank Vermittlung seiner Gattin Hippolyta zum Friedensschluß bereit waren.

Theseus half dem Adrastos bei dessen Zug gegen Theben, dann stritt er auf der denkwürdigen Hochzeit gegen die Kentauren. Diese Tat brachte ihm enge Freundschaft mit dem Peirithoos, mit dem Theseus ausging, die Helena zu rauben, welche aber von den Dioskuren Kastor und Polydeikes wieder befreit wurde. Gleiches unternahmen sie mit der Kore, der Tochter der Persephone und des Aidoneus, die sie aus dem Hades entführen wollte, doch endete das für Peirithoos damit, daß er dem Höllenhund Kerberos vorgeworfen wurde, während Theseus entkommen konnte, da Herakles ebenfalls die Unterwelt aufgesucht und ihn von dort befreit hatte.

zurück in Athen zog Theseus alsbald den Groll einflußreicher Bürger auf sich, welche seine Selbstherrschaft mit Argwohn betrachteten. Theseus mußte fliehen und begab sich auf die Insel Skyros, wo ihn Lykomedes bei sich aufnahm.

 

Tod und Grabmahl

Gern nahm Lykomedes den Theseus allerdings nicht auf, fürchtete er doch entweder den Helden selbst oder die Athener. Lykomedes soll darum mit Theseus einen Spaziergang ins Gebirge unternommen habe, wo er ihn an günstiger Stelle in die Tiefe hinab stieß. Über diesen Tod gibt es daneben noch die Vermutung, Theseus sei allein verunfallt oder man entschuldigt die Tat damit, daß Theseus nach Gattin und Ländereien seines Gastgebers getrachtet habe.

Dann geriet Theseus einige Zeit in Vergessenheit. Erst bei der Schlacht von Marathon erschien den Athenern der Geist des alten Königs und half ihnen zum Sieg über die Perser. Darum befragte man das Orakel und erhielt Befehl, die Gebeine des Theseus zu finden und in Athen zu bestatten. Der Fund gelang dem Kimon, dem ein Adler die Lage des Skelettes anzeigte, bei dem man noch ein Schwert und die Spite eines Spießes fand. Solches überführte man nach Athen und erbaute an der späteren Stätte des Gymnasions ein Grabmal, das man zu einer Freistätte für Missetäter machte (Pausanias,Attika 17,6).
Immer am Achten des Monats Pyanepsion wurde in Athen dem Heros an seinem Heiligtum geopfert.
Dieses Heiligtum zeigt Szenen aus dem Leben des Helden, besonders den Kampf gegen die Amazonen und den gegen die Kentauren. Ein drittes Bild zeigt eine Episode aus Theseus’ Aufenthalt auf Kreta. Minos habe sich zunächst in Periboa, eine der Athenerinnen, verliebt. Dem sei Theseus entgegengetreten, dem aber Minos beschied, er sei kein Sohn des Poseidon und könne kaum einen Ring vom Grunde des Meeres hervorholen. Damit warf Minos seinen Siegelring ins Meer, den Theseus aber glücklich wieder hervorbrachte, obendrein noch eine goldene Krone, die ihm Amphitrite gegeben habe (Pausanias,Attika 17,5).

Nach seinem Tod soll Theseus in den Tartaros verdammt worden sein, wo er auf Dauer auf einem glühenden Stein zu sitzen habe.

 

Vermischtes

Es heißt auch, nicht Aigeus, sondern der Gott Poseidon soll Vater des Theseus gewesen sein, wobei auch eine Personalunion Aigeus-Poseidon angenommen wird. Dieser Poseidon soll Theseus die Gewährung dreier Wünsche versprochen haben, die Theseus zur Rückkehr aus Labyrinth und Unterwelt nutzte, wegen des Dritten starb sein Sohn Hippolytus.

An weiteren Heldentaten werden Teilnahmen an der Jagd auf das kalydonische Schwein und an der Argonautenfahrt genannt, doch gilt das für ungewiß. Er soll auch noch weitere Straßenräuber neben den oben genannten getötet und auf erwähnte Weise gerichtet haben, nämlich den Prokrustes und den Damastes.

Dem Theseus werden eine Reihe von Kindern mit verschiedenen Frauen zugeschrieben. Seine eigentliche Gemahlin soll die Amazonin Hippolyta gewesen sein, nach anderen die Antiope, von der er Vater des Hippolytos bzw. des Demophoon geworden sei. Als diesese Gattin verstorben war, heiratete er Phaidra, die Schwester der Ariadne, die Mutter des Athamas (oder des Demophoon) wurde. Mit der Helena soll er Vater der Iphigenia geworden sein (und zum Dank dafür der Aphrodite einen Tempel gewidmet haben), es werden noch weitere Gattinnen genannt.

Ein Gedicht des Hesiod, das die Höllenfahrt des Theseus mit dem Peirithoos beschreibt ist ebenso verloren wie Tragödien über ihn von Sophokles und Euripides sowie eine Theseis des Kodros.

Theseus soll in Athen die Panathenischen Spiele eingerichtet haben, andere schreiben dieses dem Erichthonios zu.

Quelle soweit nicht gesondert angegeben:
B. HEDERICH, Gründl. mythol. Lexikon, bes. Spn. 2345-2354, 405-414.