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| Griechische Mythologie | |
(auch Typhoeus, Typhaon, Typhos, gr. Dampfender, phöniz. Touph, überschwemmen, lat. Typhoeus) Es sind wenigstens zwei Gestalten dieses Namens bekannt, einmal ein griechischer Riese, der gleich nach dem Gigantensturm den Zeus herausforderte, ein anderer ist Bruder des ägyptischen Osiris.
Den griechischen Typhon schreibt man auch Typhaon, Typhoeus oder Typhos, es mag eine Vermengung ursprünglich verschiedener Sagen Ursache sein.
In der Theogonie des HESIOD finden sich zwei Ungeheuer mit ähnlichem Namen, der Typhaon und der Typhoeus.
Typhaon, dessen Herkunft zuvor nicht genannt wird, war der furchtbare, ruchlose Frevler, der durch die Echidna, einem unsterbliches Wesen, halb Frau halb Schlange, die Tochter des Phorkys und der Keto Vater des Hundes Orthos, des Höllenhundes, Kerberos und der Hydra von Lerne war. (304-314)
Den Typhoeus gebar die von Tartaros schwangere Gaia kurz nach Abschluß des Titanenkrieges als ihr jüngstes Kind. Typhoeus schildert HESIOD als ein Ungeheuer mit nie ermüdenden Kräften, hundert Schlangenköpfen mit Augen, aus denen Feuer schoß und die verschiedensten Stimmen ertönten, daß es den Göttern im Himmel und sogar den Titanen im Tartaros ein Grausen war. (820ff) Von ihm stammen die stark und feucht wehenden Winde, welche dem Menschen widrig sind, anders als die göttlichen Winde Notos, Boreas und Zephyros. (869-874)
Der Kampf gegen den Typhoeus wird in der Theogonie so geschildert, daß Typheous Erde und Meer zum Kochen und Beben brachte und sogar den Hades in der Unterwelt erzittern ließ. Zeus nahm alle Kraft zusammen und versengte mit seinen Waffen, Donner, Blitz und rauchendem Strahl, die Häupter des Riesen, der brennend niedersank und die Erde umher zu unbeschreiblicher Glut erhitzte, bis Zeus den Typhoeus voller Zorn in den Tartaros schleuderte. (853-868)
Bei anderen Autoren werden eine Vielzahl weiterer Deteils aus diesem Streiten erwähnt:
Den Kampf gegen Zeus eröffnete Typhon mit einer Aufforderung zum Kampf und stieg zum Himmel hervor, warf dabei glühende Steine und brüllte ohrenbetäubend, worauf sich die Olmpier entsetzt zur Flucht wandten. Dabei verwandelten sie sich in Tiere, Zeus in einen Widder, Apollo in einen Raben, Dionysos in einen Ziegenbock, Artemis in eine Katze, Hera in eine Kuh, Aphrodite in einen Fisch und die Eos in einen Ibis. Auch Ares wandelte sich zu einem Fisch, der gewaltige Herakles in ein Reh, Leto in ein Wiesel, Hephaistos in einen Stier und sie alle entflohen nach Ägypten.
Endlich stellte sich der Zeus dem Typhon entgegen und schleuderte seinen Blitz nach ihm, doch blieb Typhon von den empfangenen Wunden unbeeindruckt. Zeus drohte ihm mit der Sichel, die einst von Gaia erhalten und gegen die Väter Uranos und Kronos gebraucht worden war. Vor ihr floh Typhon, verfolgt von Zeus und am Berg Kasius kam es zum Handgemenge. Dabei umschlang Typhon den Zeus, fesselte und lähmte ihn, indem er Zeus mit der Sichel die Sehnen wegschnitt und sie ins Meer warf.
Aber Hermes und Aegipan fanden die Sehnen und können den Zeus wiederherstellen, daß der in seinem Streitwagen erneut gegen Typhon vorgehen konnte. Diesesmal ging die Verfolgung bis zum Berg Nisus, weiter nach Thrakien, wo der Berg Hämus ein Schauplatz des Kampfes wurde und endete schließlich auf Sizilien, wo Zeus den Ätna auf Typhon schleuderte. Ihn endgültig zu bändigen wurde ein schwerer Amboß auf Typhons Nacken gesetzt und das ganze zur Schmiede des Hephaistos gemacht.
Immer wenn Typhon sich tief im Berg regt, weil er sich zu befreien sucht, bebt die Erde:
Zwar müht er sich ab und ringt oftmals darum, sich erneut zu erheben, doch seine Rechte liegt unter Italiens Vorgebirge Pelorus, die Linke, Kap Pachynus, unter dir. Du, Lilybaeum, hältst seine Beine, und sein Haupt drückt der ätna nieder, aus dem er, hingestreckt, einen Steinhagel sendet und Feuer speit, der wilde Typhoeus. Oft bemüht er sich, die Erdlast abzuwerfen und Städte und hohe Berge von seinem Leib zu schleudern. Dann bebt der Boden, und selbst der König der Schweigenden [Hades bzw. Pluto] ängstigt sich davor, die Erde könnte sich auftun, ein breiter Spalt den Blick in die Tiefe gewähren, das Tageslicht einfallen und die furchtsamen Schatten erschrecken. (OVID, Metamorphosen V,346-358)
Nach Deutung des englischen Philosophen FRANCIS BACON (1561 bis 1626) behandelt die Sage von Typhon das wechselvolle Geschick von Herrschern und Rebellen. Wenn ein König in seiner Herrschaft übermütig wird und keinerlei Ratschlag mehr anhört, dann wird das Volk unmütig und Aufruhr hebt an, welcher von zahlreichen grauenvollen Ereignissen begleitet wird, wofür Typhons hundert Köpfe ständen. Der König muß sich dann häufig zurückziehen, in der Sage umschrieben durch Zeus’ zeitweilige Gefangenschaft, und ist seiner wichtigsten Herrschaftsmittel, Geld und Souveränität (die beiden Sehnen), ledig. Gelingt es dem König, durch weise Schritte Unterstützung zu erlangen (wie hier den Hermes), dann kann er seinen Thron zurückerlangen und den Aufruhr zermalmen Die Weisheit der Alten, 15f.).