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   Vorderasien - Schauplätze und Völker
 

Genezareth

(hebr. Kinneret; Gennesaret, Galiläisches Meer, See von Tiberias; arab. Bahr Tabarija) Dieser je nach Wasserstand bis 44 Meter tiefe See liegt, umgeben von Gebirgszügen, wie in einem tiefen Trog. Sein Wasserspiegel liegt etwa 209 Meter tiefer als der des Mittelmeeres.
Im Westen des Sees ist das Golan-Gebirge, durchflossen wird Genezareth vom Jordan, der im Norden zwischen Chorasin und Bethsaida in den See mündet.
Den Namen Genezareth trug ursprünglich nur der Uferstreifen bei Magdala, dem Geburtsort und Erbbesitz der als Gefährtin Jesu bekannten Maria Magdalena, dann ging der Name auf das ganze Gewässer über.

Reisende rühmen die Schönheit des Galiläischen Meeres. Altehrwürdigen Rabbinern zufolge schuf Gott sieben Meere, das Meer von Genezareth aber sei seine Wonne gewesen (HEDIN, 81).

Im Altertum war Genezareth als ein sehr fischreiches Gewässer bekannt, im Neuen Testament ist von phantastischen Fischzügen die Rede. Ein Fisch des Sees, der Chromis simonis, ein maulbrütender Buntbarsch (Cichlidae), gilt als „Fisch des Petrus”, in dem Petrus ein Zweigroschenstück fand (Mt 17,27).
Noch heute ist die Fischerei von einiger Bedeutung.

Hier am See Genezareth berief Jesus auch die ersten Jünger, die am See als Fischer ihren Unterhalt bestritten, darunter Simon und Andreas, Jakobus und Johannes (Mk, 16-19), Thomas.

Die Fischer gefährden heute wie damals gefürchtete Fallwinde. Jesus gebot einem solchen Sturm Einhalt (Mt 8,23ff.; Mk 4,35ff.; Lk 8,22ff.) und wandelte sogar auf dessen Oberfläche, als seine Jünger wegen eines dieser Winde Furcht verspürten (Joh 6,16ff.). Jesus hatte sich an diesem Gewässer zuvor selbst als (Menschen-)Fischer betätigt, als er am Seeufer seine ersten Jünger berief (Mk 1,16ff).

Der See Genezareth ist als Stätte der Lehrtätigkeit Jesu für die Christenheit von unschätzbarer Bedeutung. Hier erklangen zum ersten Mal die Worte Vater Unser, bei Kapernaum hielt Jesus die Bergpredigt mit dem Gebot der Nächstenliebe (Mt 5-7, Lk 6,20-49) und speiste die Tausenden.

Am Westufer des Sees Genezareth liegen die Städte Tiberias, zur Römerzeit Hauptstadt der Provinz Galiläa, und Kapernaum, wo Jesus die Tochter des Jairus zum Leben erweckte (Mk 5,22, Lk 8,41).
Am Ufer des Sees offenbarte sich auch der auferstandene Jesus seinen Jüngern (Joh 21,1)
Weitere Orte sind das erwähnte Magdala, Gadara, Hippos, Bethsaida und etliche Dörfer, dazu römische Garnisonen und Bäderanlagen. Überhaupt war der Landstrich zur Zeit Christi dicht besiedelt, dann verödete er und ist nun wieder bevölkert.

 

Einer jüdischen Legende zufolge wird der Messias aus der Tiefe des Sees Genezareth aufsteigen und sich nach Tiberias, Safed und den höchsten Gipfel des galiläischen Gebirges begeben, ein Glaube, der einige Berührungspunkte mit dem der Tibeter am heiligen See Tso-Mavang oder Manasarovar aufweise (HEDIN, 74).