| Vorderasien - Schauplätze und Völker | ||
(hebr. Shomeron, heute Sabastiya, antik Sebaste) Das altbiblische Ephraim reicht im Westen an das Mittelmeer, im Osten grenzt es der Jordan von der alten Dekapolis ab. Nördlicher Nachbar ist Galiläa, im Süden liegt Judäa. Heute ist Nablus wichtigster Ort des gebirgigen Samarias.
Namentlich bekannt sind Samaria und die Samariter oder Samaritaner dem christlichem Abendland besonders wegen des barmherzigen Samariters aus Jesu Gleichnis (Lukas 10,25f., Matthäus 22,35-40, Markus 12,28-34).
Diese Samariter waren die mit Zuwanderern bzw. von Assur hierher versetzten Völkern vermischte Restbevölkerung Samarias, welche nach der Eroberung durch die Assyrer deren Provinz Samaria bewohnten, das vormalige Israel.
Noch um 880 v. war Samaria, das Haupt Ephraim (Jesaja 7,9), der Name der Hauptstadt des frisch gegründeten Nordreichs Israel. Stadtgründer König Amri (Omri) hatte den Berg Samaria erworben um zween Zentner Silbers und bauete auf den Berg; und hieß die Stadt, die er bauete, nach dem Namen Semers, des Berges Herrn, Samaria. (1. Könige 16,24). Von Bauten aus jener Zeit sollen noch einige Ruinen zeugen (HEDIN 1918, S. 114).
Den Niedergang der Stadt hatte der Prophet Jesaja vorausgesagt: Wehe der prächtigen Krone der Trunkenen von Ephraim, der welken Blume ihrer lieblichen Herrlichkeit, welche stehet oben über einem fetten Tal derer, die vom Wein taumeln! Siehe, ein Starker und Mächtiger vom Herrn, wie ein Hagelsturm, wie ein schädlich Wetter, wie ein Wassersturm, die mächtiglich einreißen, wird ins Land gelassen mit Gewalt, daß die prächtige Krone der Trunkenen von Ephraim mit Füßen zertreten werde. (Jesaja 28,1-3)
Das Wort erfüllte sich bereits 722 v., als die Assyrer unter Sargon nach Samaria vorstießen, zerstörten sie nach dreijähriger Belagerung (723-721) die noch junge Stadt.
331 v. marschierte Alexander d. Gr. in Samaria ein, nachdem die Samariter seinen Verwalter ermordet hatten, und vertrieb die Bewohner Samarias nach Sichem. Er gestattete ihnen jedoch den Bau eines Tempels auf dem Berg Garizim in Palästina. Spätestens damit war die Trennung der Samariter von den übrigen Israeliten vollzogen.
Die gemischtrassigen Samaritaner galten den Juden als unrein. Sie waren vom Gottesdienst ausgeschlossen und durften darum auch nicht am Wiederaufbau des Tempels mitwirken. So begründeten sie mit dem eigenem Tempel auf dem Garizim bei Sichem (heute Nabulus) ihre besondere Kultgemeinschaft. Ihnen heilig sind ausschließlich die Mosebücher (Pentateuch), übriges Schrifttum erkennen sie nicht als religiös verbindlich an.
In der hellenistischen Zeit nach Alexander baute man den Ort wieder auf und er erlebte bis in die Römerzeit eine Blüte. Als Geschenk ging er an Herodes d. Gr., der die Stadt weiter ausbaute und ihr den Namen Sabastiya (Sebaste) gab.
Ein Bild vom Graben zwischen Juden und Samaritern zu römischer Zeit vermittelt zum Beispiel Johannes 4,7f., wo eine Frau aus Samaria es kaum fassen kann, daß der Jude Jesus sich ihr freundlich nähert.
Nach Jesus kam sein Apostel Philippus nach Samaria und verbreitete das Evangelium, andere Apostel taten es ihm gleich. Ihre Erfolge ließ sie auf den damals dort sehr populären Zauberer Simon Magus treffen, der von Petrus dessen Kräfte gegen Geld zu erwerben trachtete (Apostelgeschichte 8,5).
Heute befindet sich am Ort dieses Zusammentreffens ein Dorf namens Sebaste, eine gotische Kirche aus der Kreuzfahrerzeit erinnert an die Wirkung des Apostels.
Die Samaritaner gibt es trotz Unterdrückung und Dezimierung noch heute. Selbstbewußt betrachten sich die Samaritaner als einzig wahres Gottesvolk.
Ihre kultischen Feste fanden wenigstens bis in die Zeit zwischen den Weltkriegen unter Leitung eines Hohepriesters aus dem Stamm Levi ab, jedes Jahr zum Passahfest wurden nach dem Gesetz Mosis sieben weiße Lämmer geopfert (BAMM (1955), S. 221).