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   Vorderasien - Schauplätze und Völker
 

Tiberias

Am Westufer des Sees Genezareth, 206 Meter tiefer als der Meeresspiegel, liegt die Stadt Tiberias, zur Römerzeit Hauptstadt der Provinz Galilaea, heute eine israelische Stadt mit ca. 30.000 Einwohnern.

Als Herodes Antipas hier 21 n. Chr. Residenz nahm, benannte er die Stadt zu Ehren des Kaisers Tiberius (14n. bis 37 n. Chr.). Architektonisch ließ Herodes die Stadt durch den Bau von Palästen und typisch römischer Bauten wie Forum, Theater und Rennbahn dem damaligen hellenistischen Geist anpassen. Dabei nahm der Baumeister wenig Rücksicht auf die Bestattungssitten der jüdischen Bevölkerung, weshalb die Juden das „gottlose” Tiberias möglichst mieden.

Erst nachdem Jerusalem zerstört worden war, geriet Tiberias zum Zentrum jüdischer Kultur, die sich dann aber umso stärker entfaltete. In Tiberias erblühte nach Zuzug der Talmudschule und des Sanhedrin (Gerichtshof) die Gelehrsamkeit und Tiberias wurde Zentrum der Talmudforschung, der hier seine endgültige Form erhielt. Aus der ehedem gemiedenen Stadt wurde neben Jerusalem, Hebron und Safed eine der vier heiligen Städte des Judentums (HEDIN, 73f.).

In der weiteren Geschichte wurde Tiberias, unterdessen byzantinisch geworden, 637 von den Arabern erobert. Die Stadt wurde Hauptort der nördlichen Provinz Jordan. Während der Omajjadenzeit erlebte Tiberias eine Blüte, unter den Abbasiden verlor der Ort an Rang.

1099 wurde Tiberias von Kreuzrittern unter Führung Tankreds erstürmt. Sie machten Tiberias zur Hauptstadt des Fürstentums Galiläa und befestigten die Stadt mit einer Stadtmauer. Von dem Bau sind Reste erhalten.

1187 konnte Sultan Saladin nach seinem Sieg bei Hattin Tiberias ergreifen.

Seit dem dreizehnten Jahrhundert setzte ein stetiger Verfall der Stadt ein.

 

Tiberias beherbergt das Grab des Religionsphilosophen und Arztes Moses Maimonides (1135 bis 1204), der als hervorragendster jüdischer Gelehrter des Mittelalters gilt und von dem der ärztliche „Eid des Maimonides” ist, demnach im Patienten nichts anderes zu sehen sei, als das leidende Mitgeschöpf.
Außer ihm liegen hier noch andere bedeutende jüdische Weise begraben.

Damals wie heute auch touristisch von einiger Bedeutung sind die Thermalquellen (das umliegende Gebirge ist teils vulkanisch), deren schwefelhaltiges Wasser eine Temperatur von 62°C aufweist und deren Besuch schon Plinius empfahl.

Einer jüdischen Legende zufolge wird der „Messias aus der Tiefe des Sees Genezareth aufsteigen und sich nach Tiberias, Safed und den höchsten Gipfel des galiläischen Gebirges begeben” (HEDIN, 74).

Nach Tiberias wird der See Genezareth auch See Tiberias genannt (Joh 21,1).