| Judentum / Altes Testament | ||
Sie ist entweder eine Prophetin und Schwester des Aaron (2. Mose 15,20) oder, nach dem für jünger geltenden Bericht, die Schwester des Mose (4. Mose 26,59).
Als Mose noch ein Säugling war faßte der Pharao den Plan, die neugeborenen Söhne der in Ägypten lebenden Hebräer zu ertränken (2. Mose 1,22). Seine Mutter legte Mose in einen geflochtenen Korb, den sie dem Nil übergab. Das beobachtete Mirjam, auch das zwei Töchter des Pharao den Korb mit dem Kind fanden, die es behalten wollten. Sie trat hinzu und erbot sich, eine hebräische Amme zu finden und so gelang ihr die Rettung des Bruders (2. Mose 2).
Als Israel aus Ägypten ausgezogen waren und trockenen Fußes durch das Schilfmeer gelangt waren, während das von Jahwe zur Verfolgung gebrachte Heer der Ägypter (2. Mose 14,8) ertrank. Beim Anblick der ertrunkenen Ägypter frohlockte Mose und er stimmte mit dem von ihm geführten Volk seinen Lobgesang an (2. Mose 15, 1-18). Auch Mirjam, die an dieser Stelle eine Prophetin und Schwester Aaarons genannt wird, stimmte einen Reigen an:
Und Mirjam sang ihnen vor:
Laßt uns dem HErrn singen,
denn er hat eine herrliche Tat getan;
Roß und Mann hat er ins Meer gestürzt.
(2. Mose 15,21)
Dieses Mirjamlied soll das Original sein, das später zu dem umfangreicheren Lied des Mose ausgebaut wurde (Reclams Bibellexikon, 1982, S. 335).
Während der Wüstenwanderung kam es wiederholt zu Unzufriedenheit im Volk Israel, auch Mirjam gehörte, mit dem Aaron, zu denen, welche gegen Mose die Stimme erhoben. In Hazeroth warfen beide Mose vor, daß seine Frau eine Mohrin sei (Zippora stammte aus dem Lande Midian, 2. Mose 21) und stellten seinen Alleinvertretungsanspruch in Frage:
Redet denn der Herr allein durch Mose?
Redet er nicht auch durch uns?
(4. Mose 12,1f.).
Zu den dreien sprach darauf Jahwe selbst. Er zitierte sie zur Stiftshütte, erschien als Wolkensäule und belehrte sie dahingehend, daß er zu Propheten als Traumgesicht spreche, dem Mose jedoch in seiner wahren Gestalt erscheine und sich in klarer Sprache ausdrücke (12, 4-8).
Die Mirjam strafte Jahwe mit sofortigem Aussatz, den er jedoch auf Mose Bitten hin heilte. Sie mußte noch sieben Tage als Aussätzige außerhalb der Gemeinschaft bleiben 12, 13-15).
Diese Stelle wird (auch) als ein Hinweis gedeutet, daß Aaron und Mirjam einen anderen Kult vertraten als Mose, der seinerseits von seiner Frau beeinflußt, die Tochter eines Priesters der Midianiter war (Reclams Bibellexikon, 1982, S. 15 [Aaron] u. 334, [Midian]).
Der hebräische Name Mirjam wurde im Neuen Testament zu Maria, diesen Namen tragen mehrere Gestalten, am bekanntesten die Maria, die Mutter Jesu, sowie die Maria Magdalena, dessen Jüngerin.
Die Bedeutung des Namens wird unterschiedlich erklärt, etwa als Geschenk Gottes oder
Geliebte, gemeinhin wird Bitternis genannt. Kurz nach dem Gang durch das Schilfmeer erreichte Israel in der Wüste den Ort Mara, wo sich nur bitteres Wasser fand, das von Mose mittels eines Baumes gesüßt und trinkbar gemacht wird (2. Mose 23-25).
Mara, Mirjam und Maria sollen einerlei sein, die hebräische Bibel kennt keine Vokale (vgl. hebräische Schriftzeichen).
Mirjam soll auch semitischer Name der Großen Göttin Mari sein, der fruchtbaren Mutter in ihrer Erscheinung als Meergöttin (daher bitteres = salziges Wasser, WALKER, 1993, S. 659, 662 u. 721).
In der Mirjam wurde auch die Alchemistin Maria Aegyptica erkannt. Diese Überlegung gilt aber als reine Spekulation (BIEDERMANN, 1998, 293).
Bibelzitate nach: Die Bibel oder die ganze Heilige Schrift des Alten und Neuen Testaments. Nach der Übersetzung Martin Luthers. Nach dem 1912 vom Deutschen Evangelischen Kirchenausschuß genehmigten Text. Württembergische Bibelanstalt Stuttgart 1961.