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   Judentum / Altes Testament
 

Mose

Mo(y)ses (griech.), Mosheh (hebrä.; v. ägypt. Wurzel ms „Kind” bzw. mss „geboren werden”; „Wassersohn”), Musa (arab.), Mose, Moses (dt.)) Sohn des Amram und der Jochebed, Bruder von Mirjam und Aaron, Gatte der Zippora und durch sie Vater von Gershom und Elieser. Als Vermittler zwischen Gott Jahwe und den Hebräern führt Mose die Kinder Israel aus ägyptischem Frondienst in ein von Gott verheißenes Land. Unterwegs unterweist er sie in den ihm von Jahwe offenbarten Gesetzen und stiftet so die jüdische Religion. Mose gilt nach jüdischer und christlicher Überlieferung als Verfasser der biblischen Bücher Mose (Pentateuch).

Nachdem die Angehörigen Israels in Ägypten eine Zeit wohlangesehen waren (vgl. Joseph), änderte sich das, als ein neuer König in Ägypten herrscht. Der fürchtet, im Falle eines Krieges könnten die in Ägypten siedelnden israelischen Stämme zur inneren Bedrohung werden und beginnt, Israel durch Frondienste bei der Ziegelherstellung zu drücken. Um ihre Vermehrung zu stoppen verfügt er, daß alle männlichen Neugeborenen in den Nil zu werfen sein (2. Mose 1, 8-22).

Aber eine Mutter vom israelischen Stamm Levi mag ihr Kind nicht ertränken und bastelt einen Korb, den sie samt Kind schwimmen läßt. Eine ihrer Töchter beobachtet sie dabei und verfolgt den weiteren Gang der Dinge.
Ausgerechnet die Tochter des Pharao findet den Korb und läßt ihn von ihrer Magd bergen. Die erkennt gleich, daß es ein Hebräerkind ist. Dessen Schwester bietet nun an, das Kind einer hebräischen Mutter zur Säugung zu übergeben. So wird das ausgesetzte Kind doch von der leiblichen Mutter aufgezogen und gelangt, herangewachsen, zurück zur Tochter Pharaos, die ihn nun Mose nennt, denn „Ich habe ihn aus dem Wasser gezogen” (2. Mose 2, 1-10).

Als Mose Zeuge wird, wie ein Ägypter einen Hebräer mißhandelt, erschlägt er den. Vor der Strafe flieht er ins Land Midian, wo er an einem Brunnen siedelte. Weil er den sieben Töchtern des Priesters Reguel beim Tränken ihrer Schafe half, als andere Hirten sie verjagen wollten, holt Reguel ihn zu sich und vermählt Mose mit einer seiner Töchter, der Zippora (2. Mose 2, 11-22). Der Ehe entstammt der Gersom und Mose ist fortan als Schafhirt seines Schwiegervaters (der Reguel, wenige Verse weiter Jethros genannt wird) tätig.

Berufung Mose

Bei dieser Arbeit erscheint ihm am Berg Horeb Jahwe in einem brennenden Busch. Mose, überrascht, daß das Gehölz von den Flammen nicht aufgezehrt wird, tritt näher und Gott weist ihn an, seine Schuhe abzulegen, da dieser Ort heiliger Grund sei. Jahwe teilt Moses mit, er habe wegen des Leidens der Hebräer in Ägypten beschlossen, daß Moses sie von dort weg in „ein Land, da Milch und Honig fließt”, zu führen.

Der Gott offenbart sich Moses mit seinem Namen Jahwe „Ich werde sein” (2. Mose 3,13f) als der Gott von Israels Stammvätern Abraham, Isaak und Jakob und rüstet den zaudernden Moses mit einem Zauberstab aus, der sich, auf den Boden geworfen, in eine Schlange verwandelt. Weiter gibt er Moses die Gabe, seine eigene Hand in sich selbst stecken und wieder hervorziehen zu können und drittens die Fähigkeit, Wasser aus dem Nil in Blut zu verwandeln.

Mit Unterstützung seines Bruders Aaron soll Mose vor den Pharao treten und den Abzug Israels fordern. Die Zauberkraft seines Stabes soll Mose dabei die nötige Durchsetzungskraft geben. Gleichzeitig kündigt Jahwe an, er wolle den Pharao „sein Herz verstocken, daß er das Volk nicht lassen wird” (2. Mose, 4,41).

Mit Sack und Pack verläßt Mose das Land Midian und den Priester Jethro und zieht zurück nach Ägypten. Unterwegs begegnet ihm Gott, der ihn töten will. Aber das Eingreifen seiner Ehefrau Zippora rettet ihn: Sie, die Mose in 2. Mose 4,25 als ihren Sohn bezeichnet, vollzieht an ihm die Beschneidung: Entfernen der Vorhaut, anschließend Berührung der Füsse und Ausspruch der Worte „Du bist mir ein Blutbräutigam”. Nach Vollzug des Rituals läßt Gott von ihm ab.

Mose beim Pharao

Mit seinem Bruder Aaron, der als der beredtere der beiden sein Sprachrohr zum Volke wird (2. Mose 4,28ff), tritt Mose vor den Pharao. Er verlangt, daß der sein Volk für ein Fest in die Wüste ziehen lassen möge, um drei Tagesreisen entfernt zu opfern. Der Ägypter lehnt ab und erhöht anstatt die Normen.

Nach wiederholter Zwiesprache mit Gott unternimmt Mose einen zweiten Anlauf. Diesmal zeigen sie das Wunder der Verwandlung ihrer Stäbe in Schlangen. Auch des Pharaos Weisen gelingt dieses Stück. Allerdings sind die Schlangen Aarons stärker und verschlingen die der Ägypter (2. Mose 7,8-13).

Wie angekündigt lehnt der Pharao das Begehren der Hebräer weiterhin ab, worauf die zehn Plagen über Ägypten kommen: Verschmutzumg des Nils, Froschregen, Mückenplage, Schädlinge in Feld und Silo, Viehpest, schwarze Blattern, Hagelschlag, Heuschrecken, dreitägige Finsternis, Tötung der Erstgeborenen.
Vor Einbruch der zehnten Plage stiftet Gott das Passahfest und die jüdische Zeitrechnung. Weiter weist er an, die Türpfosten mit dem Blut des Opferlamms zu bestreichen, damit die Hausbewohner verschont blieben.

Trotzdem Pharao nach diesen Plagen die Hebräer ziehen läßt, was bei denen keine ungeteilte Zustimmung findet, zwingt ihn Jahwe, sie zu verfolgen. Am Ufer des Schilfmeeres bezaubert Mose die Natur, daß das Wasser sich zurückzieht und sein Volk trockenen Fusses ans andere Ufer gelangt. Die ägyptischen Verfolger aber müssen elendiglich ertrinken.

Durch die Wüste

Die Hebräer hingegen wandern am jenseitigen Ufer drei Tage durch die Wüste. Endlich treffen sie auf eine Quelle, deren Wasser allerdings ungenießbar, weil bitter, ist. Sie nennen den Ort Mara (die Bittere) und ziehen weiter nach Elim, wo sie zwölf Wasserbrunnen nebst 70 Palmen vorfinden (vgl. zwölf Stämme Israels nebst 70 Nachfahren Jakobs).

Beim weiteren Zug, zwischen Elim und Sinai in der Wüste Sin, beginnt das Volk erneut Nahrungsmangel zu bemängeln. Der Gott, der ihnen die ganze Zeit als Wolke und Feuersäule voranzieht, läßt Manna regnen und einen Überfluß an Wachteln den Hunger stillen. Bei der Gelegenheit wird der Sabbat gefeiert: Sechs Tage sammeln alle das Manna, am siebten Tag ruht die Arbeit. (2. Mose 16)

Als bei Raphidim erneut Wassermangel Mißvergnügen bereitet, schlägt Mose mit seinem Stab gegen einen Fels am Berg Horeb. Prompt entspringt eine Quelle und der Ort wird Massa und Meriba genannt. Nach dem „Magisch-Sympathetischen Hausschatz” ist dieses eine der ersten Erwähnungen einer Wünschelrute (BAUER, Sechstes und siebentes Buch Mosis, 1996, S. 214).
Kaum sind die durstigen Kehlen getränkt, werden die Israelis in Raphidim von Amalek und seinen Truppen angegriffen. Unter Führung Josuas gelingt ein Sieg.
Während des Kampfes hält Mose seinen Stab in die Höhe. Solange das gelingt, obsiegen die Seinen, läßt er sinken, gewinnen Amaleks Leute die Oberhand. Mit Hilfe Aarons und Hurs, die des Mose Hände stützen und eines Steines, auf dem der betagte Mann sitzen kann, gelingt es, den Stab bis zum Sonnenuntergang in der Höhe zu halten und man bleibt siegreich. (2. Mose 17)

Unterdessen hatte Mose Schwiegervater in Midian, der Priester Jethro, von seinen Taten vernommen. Mit Mose Frau Zippora und den Söhnen Gersom und Elieser, die inzwischen von Mose getrennt in Midian gelebt hatten, sucht Mose am Berg Gottes Horeb auf. Jethro bekräftigt, daß Jahwe größer sei als alle Götter. Er opfert und dankt ihm; Aaron und die Ältesten Israels schließen sich dem an.
Neben dem Religiösen gibt Jethro dem Mose Rat in verwaltungspolitischen Angelegenheiten. Um Mose zu entlasten, wird das Richteramt mit hierarchischer Organisation eingeführt, „etliche über tausend, über hundert, über fünfzig und über zehn, daß sie das Volk allezeit richten; wo aber eine große Sache ist, daß sie dieselbe an dich bringen, und sie alle geringen Sachen richten” (2. Mose 18,21f). Nach reformierter Verwaltung kehrt Jethro nach Midian zurück.

Ehe das Volk nun weiter durch die Wüste Sinai nach Kanaan zieht, lagert es noch einmal am Berg Horeb-Sinai. Drei Tage warten sie in Sicht- und Hörweite des Berges, den durch Gottes Verbot niemand außer Mose und Aaron betreten oder anrühren darf, bis Blitze und Wolken erscheinen und der Klang einer Posaune ertönt. Mose richtet das dem Volk aus und ermahnt sie zur Enthaltsamkeit. Am dritten Tag raucht der Berg und Gott verkündet seine Gesetze und verheißt das Land Kanaan. Mose schreibt das alles in ein Buch des Bundes und mit Opfern besiegeln sie den Bund. Mose errichtet dazu einen Altar mit zwölf Säulen entsprechend den zwölf Stämmen. Anschließend zeigt sich Gott persönlich Mose, Aaron, Nadab und Abihu sowie siebzig der Ältesten.

Mit Josua als seinem Diener besteigt Mose nun für vierzig Tage und vierzig Nächte den Sinai, der sich nach den Opferhandlung nicht mehr Rauch und Donner speiend sondern von einer lichten Wolke umhllt präsentiert. Aarun und Hur bleiben als oberste Richter mit den übrigen zurück.

Auf dem Sinai erhält Mose Vorschriften zum Bau der Kultgegenstände: Lade, Gnadenstuhl, Schaubrottisch und Leuchter und der Wohnung der Stiftshütte samt Gestell, Riegel, zwei Vorhängen und dem Brandopferaltar und dem Vorhof zur Wohnung. Es werden genaue Vorschriften zum Kultus gegeben, zum verwendeten Öl, Auswahl und Bekleidung der Priesterschaft, Opferhandlungen und Steuern zur Finanzierung des Heiligtums. Das alles stand auf zwei durch den Finger Gottes beschriebenen Tafeln.

Aber als Mose zurückkehrt erlebt er, daß Aaron unterdessen ein goldenes Kalb angefertigt hatten. Um es herum feierten sie, opferten, dankten, tranken und spielten. Das erboste Gott und Mose, der die Gesetzestafeln an einem Fels zerschmettert. Er befiehlt den Nachkommen Levis, die Schwerter zu gürten und Bruder, Freund und Nächsten zu erwürgen. Bis zum Abend fallen 3000 des Volkes zum Opfer. Diese Strafe genügt Gott und er läßt Mose während 40 Tagen und Nächten des Fastens zwei neue Tafeln anfertigen. Hier berichtet die Bibel, daß Mose Gesicht seitdem befremdlich glänzte. Seitdem bedeckte Mose sein Gesicht vor dem Volk mit einer Decke.

Mose läßt das Heiligtum bauen und verkündet dem Volk detailliert die Gesetze zu Kultus wie zu weltlichen Angelegenheiten. Aaron und seine Söhne werden im Priesteramt bestätigt und die Leviten zu Helfern des Kultes gemacht. Weiter gibt es Anordnungen zu den Trompeten in der Schlacht. Nachdem so die Ordnung hergestellt ist, brechen die Kinder Israels zu weiterer Wanderschaft auf. Des Tags steht über der Stiftshütte eine Wolke, des Nachts eine Feuersäule. Hebt die Wolke sich, bricht das Volk auf und begibt sich auf Wanderschaft.

Als nach wenigen Tagen wie so oft Unzufriedenheit aufkommt, verheert der Herr Teile des Lagers. Auch Mose, auf dessen Flehen hin die Flammen erlöschen, ist nicht unumstritten. Mirjam und Aaron werfen Mose vor, daß seine Frau eine Mohrin sei. Sieben Tage muß Mirjam daraufhin als Aussätzige in Isolation bleiben, ehe sie von der Gemeinschaft wieder aufgenommen wird.
Kundschafter werde ausgesandet, die nach 40 Tagen zurückkehren und von einem paradiesischen Land brichten. Hier fließen Milch und Honig. Allerdings ist das Land mit wehrhaften Menschen bevölkert, darunter sogar Riesen, Nachkommen Enaks. Als darum ein weiteres Mal Putschbereitschaft im Volk herrscht, verflucht der Herr sie, daß niemand von Ihnen das gelobte Land erleben werde, ausnähmlich Joshua und Kaleb. 40 Jahre solle Israel durch die Wüste irren.

Als Moses und Aarons Herrschaftsanspruch als alleinige Opferpriester von den Leviten Korah, Dathan und Abiram angezweifelt wird, tut sich die Erde auf und sie, die Rotte Kohra, werden samt Anhang lebendig von der Hölle verschlungen. (4. Mose 16)

Im weiteren Verlauf der Wanderschaft kommt es zu inneren und äußeren Auseinandersetzungen.
Am Berg Hor verkündet der Herr Mose und Aaron, daß es für Aaron nun Zeit zu Sterben sei. Mose zieht Aaron die Kleider aus und dessen Sohn Eleasar an.
Als das Volk sich wieder über die Nahrung beklagt, sendet der Herr feurige Schlangen unter sie, deren Biß zahlreiche Menschen zum Opfer fallen, bis Mose ein eisernes Standbild eine Schlange herstellt, deren Anblick die Gebissenen heilt.

In einem Vernichtungsfeldzug werden alle Midianiter unter ihrem König Balak, das Volk von Mose´ Schwiegervater, getötet, mit Ausnahme der ganz jungen Mädchen, die versklavt werden. Zuvor waren bereits die Kanaaiter unter Arad, die Amoriter unter Sihon und Basan unter Og ausgerottet worden, weshalb die Midianiter beunruhigt den Bileam mit seiner sprechenden Eselin um einen Fluch gebeten hatten.

Der Tod Mose

Nachdem die eingesessene Bevölkerung soweit ausgelöscht ist, wird das Ostjordanland verteilt. Die Gesetzgebung wird verfeinert und Mose als Mittler zwischen Gott und Volk bestätigt. Gründlich wird heidnischer Kult und Brauchtum bekämpft, konkurrierende Zauberei mit dem Tode bedroht. Weiter wird ein künftiger Prophet angekündigt und der Bund erneuert. Gegen Ende seines Lebens bestimmt Mose den Josua zu seinem Nachfolger und faßt seine Lehre in Liedform (5. Mose 32). Er erteilt Israel den Abschiedssegen (5. Mose 33) und begibt sich auf den Berg Nebo, gegenüber Jericho.

Der Herr zeigt seinem Propheten von hier aus das gesamte verheißene Land. Damit hat er das seinen Vätern Abraham, Isaak und Jakob angekündigte Land mit eigenen Augen gesehen, ohne es betreten zu haben. Hundertzwanzigjährig stirbt Mose und wird von seinem Gott an unbekannter Stelle bestattet.

 

Motive

Zahlreiche Motive aus der Lebensbeschreibung des Mose sind aus anderen Mythologien bekannt. So war auch der ägyptische Herakles von Kanopos als Kind in einem Korb dem Nil berantwortet, wirkte später als Held und starb endlich auf einem Berg. Auch Oedipus und der Nachfolger Mose´, Joshua, sind von diesem Mythos umweben. Eine solche Kindheit kennzeichnet viele Gott-Könige (Walker 1993, S. 742).
Der Kindermord zu Mose Geburt findet sich später auch im Neuen Testament als Kindermord des Herodes anläßlich der Geburt Jesu (Mt 2,16), der als Erlöser später auch auf einem Hügel sein Leben läßt.

 

Der christliche Heiligenkalender führt Moses am 4. September.