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Altweibersommer

Eine Phase schönen, fast sommerlich zu nennenden Wetters im späten Herbst wird als Altweibersommer bezeichnet. Der Ausdruck bezieht sich dann auf die zahlreichen silbrigen Fäden junger Spinnen, die überall in der Landschaft zu beobachten sind und an weißes langes Haar erinnern.

Vorzeiten sagte der Volksglaube, es handele sich bei den Spinnfäden um Fäden aus dem Mantel der Göttin. In Schlesien hieß es, Frau Holle wandele als Spinnerin überland und prüfe den Spinnfleiß der jungen Mädchen.

In christlicher Zeit bezog man diesen Glauben auf die Maria. Die Fäden seien dann aus dem Mantel, den Maria bei ihrer Himmelfahrt getragen hatte. Die Fäden nennt man darum auch Marienseide, in Bayern Unserer Lieben Frauen Gespinst, in Holland Mariendraadjes.

Nach einer anderen Legende zieht Maria mit den 11.000 Jungfrauen der Ursula im Herbst umher und spinnt mit ihnen die Fäden über das Land.

Die Spinnfäden gelten als Glücksbringer, wenn sie sich in Haar oder Kleidung festsetzen.

Die an den Fäden sitzenden Tautropfen gelten volksheilkundlich als Mittel bei erkrankten Augen.

Als Wetterzeiger soll der Altweibersommer auf einen trockenen Herbst deuten.

Je nach Beginn des Altweibersommers nennt man ihn Brittasommer (Schweden), St. Luke’s little summer (England, nach St. Lukas am 18. Okt.), Mauritius-Sommer (Frankreich, nach St. Mauritius am), L’été de la Saint-Denis (nach St. Dionysius am 9. Okt.) oder Sommer der hl. Theresa (Lombardei, nach St. Theresa am 15. Okt.), Gallus-Sommer (Tirol, nach St. Gallus am 16. Okt.). In Ungarn wird er schlicht Nachsommer genannt, in Deutschland tritt er meist erst Allerheiligen (1. Nov.) ein, man erwartet ihn auch am St. Gallustag (16. Okt.).