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 Kelten / Rittersage
 
 

Merlin

Ein sagenhafter Zauberer der britischen Sage.

Merlin soll Kind einer Frau und eines Dämonen gewesen sein. Als der walisische König Vortiger bei Salisbury eine Burg (bzw. einen Tempel) errichten wollte, stürzte der Bau immer wieder ein. Man forschte nach der Ursache und erhielt zur Kenntnis, daß ein Kind mit einem nichtmenschlichen Vater als Bauopfer gegeben werden müsse. Man wollte darum Merlin opfern, doch erfuhr der dank seiner seherischen Fähigkeiten, daß unter dem Bauplatz ein roter und ein weißer Drache einander bekämpften. Der rote Drache stehe für Vortiger, der vom weißen Drachen, Uther Pendragon von Britannien, erschlagen werden müsse. Als das geschehen war, konnte der Bau vollendet werden (WALKER, 715).

Hernach soll Merlin Stonehenge bei Salisbury errichtet haben, indem er durch seinen Gesang die riesigen Steine aus Irland herbeigezaubert hatte (vgl. den griechischen Amphion, der die Steine für die Mauern Thebens durch Gesang aufeinandertürmte).

Im Streit um die Vorherrschaft über die Britischen Inseln hatte Merlin Partei für Uther Pendragon genommen. Er sorgte für die Zeugung des späteren Königs Artus, indem er es Uther ermöglichte, die Igraine zu schwängern, der Gattin des Gorlois, dem Herzog von Cornwall, indem er Uther die Gestalt des Gorlois gegeben hatte. Als Igraine niedergekommen war, zog Merlin den kleinen Artus auf.

Merlin verhalf seinem Ziehsohn zur Herrschaft, indem er verkündete, es sei der rechtmäßiger Throninhaber, der in London ein geheimnisvolles Schwert aus einem Stein ziehen könne, was Artus später leicht gelang.

Er gilt auch als Schmied von Artus’ Zauberschwert Excalibur und soll einen dem Gral ähnlichen Kelch geschaffen haben.

Merlin hatte auch den berühmten Tisch der Tafelrunde gebaut und darüber die Burg Camelot errichtet.

Merlins angebliche Höhle in Tintagle nahe King Arthur's Castle.
Merlins angebliche Höhle in Tintagle nahe King Arthur's Castle.
Aufn. R. ZOMPRO, 2005.

Das Ende Merlins wird verschieden berichtet. Entweder soll er sich auf den für den edelsten aller Ritter vorgesehenen Platz an der Tafelrunde gesetzt haben und sei darum von der Erde verschluckt worden, oder ihm wurde die Liebe zu Viviane zum Verhängnis. Der hatte er alle seine Zauberkünste offenbart und war von ihr in ein Gehölz gebannt worden.

Merlin soll auch ein Alchemist gewesen sein. Er habe sein Wissen von Lehrmeistern, die aus dem antiken Alexandria nach den britischen Inseln und Irland gekommen seien. Merlin soll Verfasser der fragmentarisch überlieferten Schrift Allegorie von dem Geheimnisse des Steins sein (GEBELEIN, 144).

Eine dem Merlin zugeschriebene Sammlung von Prophezeiungen fand sich auf der 1559 von Papst Paul IV. veröffentlichten Liste verbotener Bücher (Index librorum prohibitorum; BAIGENT u. LEIGH, 181).