Das Schwarze Netz - zum Anfangzurück
   Indoeuropäer

Die Kelten

Die zu den indoeuropäischen Völkern gezählten Kelten besiedelten in älterer Zeit Süd- und Südwestdeutschland, ehe sie, wohl auf Drängen der Germanen, weiter nach Westen, auf die britischen Inseln und die iberische Halbinsel sowie nach Süden (Italien) und Südosten (Kleinasien) zogen.

Nach Mitteleuropa sollen die Kelten im zweiten Jahrtausend v. als berittene Scharen aus Asien die Donau entlang nach Europa eingedrungen sein, wo sie auf die Reste der Megalithkulturen trafen. Epochen früher keltischer Kultur bezeichnet man nach bedeutenden Fundorten als Hallstatt-Zeit. Bis ins fünfte Jahrhundert v. siedelten sie in Österreich, im süddeutschen Raum (nach Norden bis Harz und Weser) und in Frankreich (La Tène-Zeit). Dann, um 400 v., gerieten sie erneut in Bewegung und zogen auf die britischen Inseln, in Richtung Spanien (darum Galicien) und nach Oberitalien, ab 300 v. auch auf den Balkan, versuchten Griechenland zu erobern (Niederlagen bei den Thermophylen und bei Delphi) und gingen 277 v. nach Kleinasien (daher Galatien).

Die im Gebiet des heutigen Frankreichs siedelnden Kelten nennt man Gallier, die nach Spanien gezogenen und sich mit iberischen Einheimischen vermischten Kelten Keltiberer (noch heute die Asturen im spanischen Asturien), die nach Südosten gewanderten Kelten Galater.

387 v. erschienen die Kelten vor Rom, wo sie einen bleibenden Eindruck auf die Römer hinterließen. Im 3. Jahrhundert v. zogen die Kelten auch nach der Balkanhalbinsel und bis Kleinasien, wo sie lange ansässig waren (Galatien). Andere besetzten die britischen Inseln (Gälen (Iren), Briten, Waliser, Scoten), von wo sie im 5. Jahrhundert nach der Zeitenwende von den Angelsachsen verdrängt wurden Sie hielten sich allerdings in Wales, auf der Insel Man, in Irland und Schottland.
Die in Frankreich siedelnden Kelten (Gallier) wurden von 58 bis 51 v. vom römischen Eroberer Caesar unterworfen, der darüber in seinem Buch De Bello Gallico („Vom gallischen Kriege”) Auskunft gibt.

 

Nach griechisch-römischer Ausdeutung war Celtus Stammvater und Namensgeber der Kelten, der Sohn der Celtine, einer Tochter des Britannus. Als Herakles die Rinder des Geryon durch Spanien und Gallien trieb, verliebte sie sich in den Heroen, und um mit ihm einig zu werden, entführte sie einige seiner Rinder. Herakles, der die Tiere unbedingt brauchte, um seine berühmten zwölf Arbeiten zu erledigen, war Celtine gegen Rückgabe zu Willen und zeugte mit ihr den Celtus.

Caesar, der die von ihn angetroffenen Kelten insgesamt als „Gallier” bezeichnete, berichtet: „Alle Gallier rühmen sich, von Vater Dis abzustammen, und sagen, das werde von den Druiden überliefert.” (CAESAR VI,18.1)

 

Die Religion der Kelten wurde von den Druiden gepflegt, die ihre Lehre mündlich an ihre Schüler weitergaben. Darum fehlt eine schriftliche Grundlage der keltischen Religion, an Schriftgut ist nur Profanes überkommen, wobei sich die Kelten übrigens griechischer Schrift bedienten. So bleiben an schriftlichen Zeugnissen nur die klassischen Autoren. Caesar gibt in seinem Werk „De bello gallico” nicht nur den Bericht seines Vernichtungsfeldzuges gegen Gallien, er liefert überdies eine detailreiche Schrift über die keltischen Kultur.

Die keltische Gesellschaft kannte (in Gallien) zwei bestimmende Schichten. Neben den Druiden waren es die Ritter, reiche Kelten, die sich wegen ihres Vermögens die volle Schlachtausrüstung leisten konnten. Diesen Rittern schlossen sich die Übrigen als Clienten an und folgten ihm auf seinen Kriegszügen. Caesar bezeichnet die Clienten durchweg als Sklaven. Diese Sichtweise kann allerdings von seiner römischen Herkunft bestimmt sein (in Rom war die Sklaverei allgemein üblich).

Die zahlreichen keltischen Stämme lebten untereinander in ständigem Krieg. Ihre Vorstellung von der Wiedergeburt der Seele, die sie mit den Germanen teilen, ließ sie ohne Furcht vor dem Tod in den Kampf ziehen. Archäologische Funde geben reiches Zeugnis von der Höhe keltischer Kultur. Der Ackerbau war den Kelten bekannt und sie bewohnten wohlorganisierte, durch Mauern bewehrte Städte. Töpferei, Textil-, Schmiede- und Kunsthandwerk blüten, Rohstoffe lieferte entwickelter Bergbau.

Besonders von den die britischen Inseln bewohnenden Kelten, hier vor allem den Iren, sind vier Jahreszeitenfeste bekannt. Es sind dies die „Jahresnacht” Samhain am 1. November, mit dem der Winter beginnt, der „Jahresmorgen” Imbolc am 1. Februar, dem der Frühling folgt, dem „Jahresmittag”, das Sommerfest Beltaine am 1. Mai und der „Jahresabend” zum Herbstbeginn Lughnasa am 1. August, wobei die Festlichkeiten jeweils mit dem Vorabend des Kalendertages beginnen.

Wichtige Quellen griechisch-römischer Sicht auf die Kelten, besonders Gallien, liefern Poseidonius, Strabon im Band 4 seiner Erdbeschreibung, Polybius, Diodorus Siculus im Band 5 seiner Weltgeschichte, Cäsar mit seinem „Gallischen Krieg” und Tacitus.

 

Sammlung: Abellio, Amaethon, Arianrhod, Artio, Avalon, Badb, Balor, Barden, Beli, Bergion, Boann, Bran, Bress, Brigit, Cuchulainn, Dagda, Damona, Dan, Dian-Cecht, Don, Druiden, Dusius, Emer, Epona, Finn, Fomore, Gallier, Grannos, Gwydyon, Iren, Lir, Lug, Mag Mor, Manaannen, Medb, Midir, Morrigan, Nantosuelta, Nuadu, Oengus, Ogma, Ogmios, Pryderi, Pwyll, Rhiannon, Scoten, Sequana, Sirona, Sucellos, Tethra, Teutates, Tuatha Dê Danann, Waliser, siehe auch das Register

 

Das mittelosteuropäische Galizien (poln. Galicja) nördlich der Karpaten zwischen Weichsel hat trotz namentlicher Ähnlichkeit mit dem spanischen Galicien und dem kleinasiatischen Galatien wohl nichts mit den Kelten zu tun. Es trägt seinen Namen nach einem Fürstentum Halitsch bzw. Galitsch, das sich im 11. Jahrhundert n. vom Kiewer Reich abspaltete.