| Antike Völker Kleinasiens | ||
Die Karer waren ein vermutlich mit Lydern und anderen Kleinasiaten verwandter Volksstamm, der ursprünglich die ägäischen Inseln besiedelte, aber dann von den mykenischen Achaiern in das südwestliche Kleinasien abgedrängt wurde, das nach ihnen Karien genannt wurde. Die karische Sprache gehört weder zur indoeuröpäischen noch zur semitischen Sprachfamilie.
Karien ist eine kleinasiatische Landschaft südlich des Flusses Maiandros (Mäander). Im Osten begrenzt es Pisidien, im Südosten Lykien. Eine alte und hochberühmte Stadt in Karien war Ephesos, nicht minder im Rang war das an der Küste Kariens von ionischen Griechen gegründete Milet. Bedeutende Handelsstädte Kariens waren überdies Knidos und Halikarnassos.
Nach einer Sage der Samer sollen die Karer von der Insel Samos stammen. Auf Samos wuchs ein uralter Lygos-Baum (Agnos castus) der der Hera geweiht war. Unter diesem Baum soll die Göttin die Ureinwohner der Insel geboren haben KERENYI, S. 130f.).
Karien wird bereits von HOMER (Illias 2.867ff.), der ihre Sprache barbarisch nennt (2.867), und von HERODOT (1.171) erwähnt. Demnach hießen die Karer dereinst Leleger, lebten vor dem Eindringen der Griechen in der Ägäis und dienten in der Flotte des Königs Minos.
Karer scheinen auch als Soldaten in ägyptischen Diensten gestanden haben, denn in Abu Simbel in Ägypten fand man karische Inschriften, die von im siebten Jahrhundert v. Chr. im Dienste des Pharao Psammetich I. stehenden karischen Söldnern stammten. Auch die Leibwache des lydischen Königs bestand aus Karern (BAMM, S. 230).
Nach HOMER müssen die Karer ein reiches Volk gewesen sein, denn ihr König Antimachos zog mit reichem Goldschmuck an Seiten der Trojaner in den Krieg (Illias 2.872).
In Kleinasien gerieten die Karer zwar bald unter persische Oberherrschaft, behielten aber ihre lokalen Fürsten und wahrten ihre eigentümliche Kultur, zu denen besonders das Mutterrecht gehörte; typisch war zudem die Barttracht der Männer. Kulturell lehnten sie sich dann weniger an die Perser als an die Griechen an.
Kontakte zwischen Griechen und Karern in Kleinasien bestanden seit dem 9. Jh., aus griechischen Kolonien erblühten besonders die Städte Halikarnassos und Knidos. Die Hellenisierung Kariens setzte im 4. Jahrhundert ein, nachdem Karien zunächst mit den Ioniern gegen Persien aufgestanden (499 bis 494), dann unter Vorherrschaft Athens geraten war.
Eifriger Verfechter des Griechentums war König Mausolos (377 bis 352), dessen Grabstätte das von seiner Schwester und Gemahlin Artemisia errichtete Mausoleum war, eines der sieben Weltwunder. Mit der Zeit gingen die Karer auch ethnisch in den Griechen auf.
In Telmissius in Karien soll dem Gott Apollon dessen Sohn Telmissus einen Tempel erbaut haben, Gründerin des Tempels des Apollo Clarius war die Manto.