| Phönizier - Schauplätze | ||
(lat. Tyrus, phöniz. Sor, (Sur Mauer), heute Sur) Diese Küstenstadt in Phönizien (später Palästina, im 12. Jh. gelegen zw. Sidon im Norden und Akkon im Süden) war im Altertum das Zentrum der Purpurgewinnung. Dieser Farbstoff war z. B. wichtig zur Färbung königlicher Gewänder.
Tyros hatte damit erhebliche Bedeutung, gelegentlich wurde Tyros (aus Tyros stammend) sogar zum Synonym für die Phönizier insgesamt. Um 1200 v. Chr. war Tyros noch vor Sidon mächtigste der phönizischen Handelsstädte.
Tyros ist eine alte Stadt, die bereits ägyptische Texte aus dem zweiten vorchristlichen Jahrtausend erwähnen. An der Küste gelegen und wohl gedeihend, dehnte sich erst die Stadt selbst aus, dann begann man mit der Ausgründung von Pflanzstädten, deren berühmteste Karthago ist (Yonah u. Shatzman, S. 454).
Dido, die mythische Gründerin Karthagos, kam aus Tyros.
Aus Tyros stammte der griechischen Sage nach auch Europa, die Tochter des Königs Agenor, die Zeus in Gestalt eines weißen Stiers nach Kreta entführte und ihr Bruder Kadmos, der Gründer Thebens.
Ovid meint in seinen Metamorphosen (III,539) mit Tyros die Stadt Theben. Er spielte damit darauf an, daß Kadmos gewissermaßen ein zweites Tyros gegründet hatte (ebd., Anm. S. 421).
Bedeutender König dieser Glanzzeit war Hiram I. (griech. Hirom, Mitte 10. Jh. v.), der aus der Bibel bekannt ist, weil er David von Israel (Und Hiram, der König zu Tyrus, sandte Boten zu David und Zedernbäume, und Zimmerleute und Steinmetzen, daß sie David ein Haus baueten, 2. Samuel 5,11) und Salomo beim Bau des Tempels in Jerusalem aushalf (1. Könige 5;7,13-45;9,11-27).
Den Griechen war Tyros starke Konkurrenz, die auch mehrfach mit den Persern, den gefürchtetsten Feinden der Griechen, verbündet war. Besonders auf Zypern kam es zu Konflikten (Yonah u. Shatzman, 454).
Konnte es zu Beginn des 4. Jahrhunderts noch der Belagerung des Babyloniers Nebukadnezar trotzen, wurde Tyros dreizehn Jahre später, 332 v. Chr., von Alexander d. Gr. zerstört. Rasch baute man es aber wieder auf und Tyros gedieh zu neuer Blüte.
In römischer Zeit unterstand Tyros zunächst dem Statthalter von Syrien, erhielt aber später das Recht Ius Italicum und wurde damit zu einer römischen Colonia mit besonderem rechtlichen Status (ebd.).
Im Mittelalter rückte Tyros nochmals ins Interesse des Abendlandes, als von 1124 bis 1291 Kreuzfahrer dort herrschten (Wilhelm von Tyrus, dort Erzbischof seit 1175, war Kanzler des Königs Balduin IV. und verfaßte eine Geschichte der Kreuzfahrer).
Später kam es unter ägyptische Herrschaft und verlor seine Bedeutung.