| < zurück | |
| Griechische / Römische Mythologie | |
(lat. Fama, Gerücht) Als die olympischen Götter im Kampf gegen die Giganten gesiegt hatten, brachte die Erde (Gaia) als deren jüngere Schwester die Pheme bzw. Fama hervor.
Bei den Griechen wurde Pheme als Göttin verehrt (HESIOD, O, 774), bei den Römern war Fama Botengöttin des Jupiter und Personifikation des Gerüchts und Geredes der Leute, das sich aus kleinen Anfängen mit überraschender Geschwindigkeit zu ungeheurer Größe ausbreitet (BELLINGER, 42).
Fama ist das personifizierte Gerücht und der Ruf eines Menschen, einerlei, ob das behauptete wahr oder falsch ist.
Ihr eigentümlich ist, daß sie niemals schläft, sondern des Nachts durch die ganze Welt zieht. Tagsüber ist ihr Platz auf Türmen und Dächern, wo sie das Gerede der Menschen aufschnappt und in Windeseile weiterträgt. Sie wird daher geflügelt und mit Federkleid dargestellt, mit unzähligen, unaufhörlich wispernden und lauschenden Mündern und Ohren. Ihre Flügel sind schwarz, wenn sie etwas Falsches, weiß, wenn sie etwas Wahres in die Welt hinaus trägt, doch wird dieser Unterschied kaum wahrgenommen (VERGIL, Aeneis, IV, 178, zit. n. HEDERICH (Gründl. mythol. Lex., Sp. 1104).
Oder es gibt im Weltall einen Ort, von dem man alles sehen und hören kann. Dort wohnt die Fama. Ihr Haus hat tausend Eingänge und Fenster, es ist ganz aus klingendem Erz gebaut, so daß der Schall in allen Ecken und Enden unaufhörlich wispert und von unaufhörlich ein- und austretendem leichtfertigen Volk weitergetragenwird. Hier wohnen die Leichtgläubigkeit Credulitas, der unbesonnene Irrtum (Error), die grundlose Freude (Laetitia), der aufgescheuchte Schrecken Timor, Aufruhr und das Geflüster zweifelhaften Ursprungs. Die Göttin des Gerüchts selbst sieht, was im Himmel, im Meer und auf der Erde vorgeht, und durchspäht die ganze Welt. (OVID, Metamorphosen XII, 39f.)
Bei den Griechen hatte die Pheme zu Athen einen Altar (PAUSANIAS, HEDERICH, ebd.).
In der bildenden Kunst wird sie mit Flügeln dargestellt, die für die rasche Verbreitung der Gerüchte sorgen, umd mit einer Posaune, mit der sie Wahres und Falsches ’ausposaunt’. (BIEDERMANN, 133)
Für den englischen Philosophen FRANCIS BACON (1561 bis 1626) beschreibt dieser Mythos das Verhältnis des Volkes zu seinem Machthaber, der sich vor den ständig aus dem Volk hervorgehenden Aufwieglern und Rebellionen hüten müsse. Aufwieglerische Gerüchte unterscheiden sich daher von den audfrührerischen Handlungen nicht der Art und Ursprung nach, sondern nur dem Geschlecht nach.: Diese sind weiblich, jene männlich. Die Weisheit der Alten, S. 32f.)