| Römisches Reich - Caesaren | ||
(Flavius Claudius Iulianus, Kaiser 361 bis 363) Der 331 geborene Flavius Claudius, ein Neffe Konstantins d. Gr., wurde 355 von Constantinus II. zum Caesar ernannt. Er ging als Heerführer nach Gallien und wurde dort 360 von seinen Soldaten zum Kaiser ausgerufen. Nach dem Tod Constantinus’ II. wurde er 351 Alleinherrscher des Römerreiches. Er war der letzte römische Kaiser heidnischen Glaubens.
Anders als seine christlichen Amtsvorgänger pflegte er in religiösen Dingen Toleranz. Obwohl selbst erzogen wandte er sich dem Neuplatonismus und dem Kult des Mithras zu, verkündete allgemeine Glaubensfreiheit und ließ die Tempel der althergebrachten Götter wieder eröffnen, wofür er von christlicher Seite den Beinamen Apostata (der Abtrünnige) genannt wurde. Dabei erwies er selbst auch Milde gegen das Christentum und gestattete verbannten Bischöfen die Rückkehr in ihre Heimat.
In der Biographie des Julianus Apostata von J. BIDEZ heißt es zur Initiation des Julianus Apostata durch Maximus von Ephesos in neuplatonische Mysterien: Stimmen und Geräusche, Rufe, verwirrende Musik, berauschendes Räucherwerk, Türen, die von selbst aufspringen, Schatten, die sich bewegen, schweflige Nebel, Dämpfe und Gerüche, lichtstrahlende Springbrunnen, Statuen, die sich zu beleben scheinen und den Prinzen abwechselnd drohend oder liebevoll betrachten, bis sie ihm schließlich zulächeln und in Strahlen und Flammen stehen; Donner, Blitz und Erdbeben, die Gegenwart des obersten Gottes, des unaussprechlichen Feuers kündend... (Kaiser Julian, Hamburg 1956, S. 55), woraus ersichtlich sei, daß die praktisch-religiöse Richtung des Neuplatonismus auch vor Gaukelwerk und Scheinwundern nicht haltmachte. (BIEDERMANN, 320)
Wohl bloß legendarisch ist die Behauptung, Julianus Apostata habe nach seiner tödlichen Verwundung auf dem Schlachtfeld ausgerufen: Du hast gesiegt, Galiläer! (also Jesus).