| Vorderasien - Schauplätze | ||
Im heutigen Libanon liegt in einer Höhe von 1150 Metern über dem Meeresspiegel auf der Wasserscheide der Flüsse Orontes und Leontes, deren nahe beieinander liegenden Quellen zum einen nach Norden, zum anderen nach Süden entwässern, die alte Stadt Baalbek.
Bereits assyrische und ägyptische Inschriften nannten die alte Stadt Balbiki und seinen dem Baal (Lokalgott Ba’al Biq’ah) geweihten Tempel. Die Griechen assoziierten den Baal mit ihrem Sonnengott Helios und nannten die Stadt Heliopolis. Hier entstand die gewaltigste Tempelanlage der Antike.
Die Römer, die unter Augustus zu Herren über Baalbek geworden waren, errichteten hier einen den Vorgängern an Größe ebenbürtigen Tempel des Jupiter. Als Fundament des Tempels konnten die Römer noch erheblich ältere, dort bereits liegende Blöcke verwenden, deren Urheber unbekannt sind.
Von dem römischen Tempel sind noch sechs mächtige Säulen erhalten sind, außerdem einen etwas kleineren Tempel des Bacchus. Als in Rom mit Theodosius (der Große, 379 bis 395) ein dem alten Glauben feindlich gesinnter Christ den Kaiserthron bestieg, waren die Tage dieser Tempel gezählt und der des Jupiter wurde zu einer christlichen Kirche umgestaltet. Zu weiteren Zerstörungen kam es, als 634 Araber Baalbek eroberten und den alten Kultplatz zur Festung umbauten.
Auch die Natur trug zum Umgestaltungs-/bzw. Zerstörungswerk bei und bewies mit einem Erdbeben, daß Werk von Menschenhand Tand ist.
Dennoch blieb genügend erhalten, um noch heute einen Eindruck von der ehedem gewaltigen Anlage zu vermitteln.
Zahlreich erhalten sind an den Trümmern eingravierte Adler, Schlangen und Sonnen als Symbol des Helios, auch ein Fries mit springendem Löwen und dem Haupt der Meduse findet sich.
Dem Bacchus gewidmet sind Darstellungen von Delphinen und Weintrauben (nach HEDIN, 1918, S. 15), man nimmt aber auch an, daß diese Gebäude der Venus geweiht waren.
Die noch erhaltenen gewaltigen sechs Säulen des Jupitertempels sind korinthischen Stils und in 18½ Metern Höhe von einem fünf Meter hohem, mit Friesen und Karniesen verzierten Architrav gekrönt.
Insgesamt hatte die Anlage 54 dieser imposanten Säulen.
Ein wunderbarer Zufall ist es, daß diese sechs Säulen durch so viele Jahrhunderte hindurch den Erdbeben zu trotzen vermochten. Sie genügen aber unserer Phantasie, um sich den herrlichen Anblick dieses Tempels zu vergegenwärtigen zu der Zeit, als noch alle vierundfünfzig Säulen standen, aus dem köstlichen Blattwerk der Karniese zottige Löwenköpfe herabsahen, Römer in festlicher Toga im Schatten der Säulenhallen einhergingen und Opferpriester in langsam-feierlichem Zuge zum Altar hinaufschritten (...) Die ungeheuren Dimensionen des Materials sind ebenso staunenswert wie die bezaubernde Harmonie der Linien und die köstliche Feinheit der Einzelheiten. schrieb ein merklich begeisterter Sven Hedin (Jerusalem, 1918, S. 16f.).
Ausgrabungen am von Thedosius zerstörten Opferaltar des Jupiter erbrachten mit Hochreliefs verzierte rituelle Bäder, die neben menschlichen Gesichtern und Blumengirlanden Mischwesen abbilden, Meerwunder, halb Mensch, halb Delphin, auf deren Rücken Jungfrauen in dünnen Gewänder reiten und Schleiertücher über dem Haupte schwingen (HEDIN, 1918, S. 15f.).