| Vorderasien - Schauplätze | ||
(arab. Esch-Scham) Die heutige Haupstadt des modernen Syrien blickt auf lange Tradition als vornehmer Ort der Region zurück, Eingesessene halten Damaskus für die älteste Stadt der Erde (nach HEDIN, 26.).
Seit Urzeiten führen hier Handelswege entlang, die Ägypten und das Mittelmeer mit Asien verbinden, ebenso erlebte das Land zahllose Völker und Kulturen, die hier durchzogen, siedelten und vergingen, oft begleitet von kriegerischer Auseinandersetzung. So geriet Damaskus nacheinander unter Einfluß von Memphis, Ninive und Babylon tributpflichtig, blieb dabei immer besiedelt und hatte im Laufe von 4000 Jahren Geschichte Beziehungen zu allen wesentlichen Städten Ägyptens und des Orients (ebd., S. 28).
In den geschichtlichen Texten der Bibel ist dementsprechend reichlich von Damaskus die Rede, zur Geschichte der Stadt steht ein zusammenhängender Text hier noch aus. Vorerst sei auf folgende lose Sammlung verwiesen, wie es sich bislang ergeben hat, auch auf die Linkhinweise am Ende der Seite.
4. Jahrhundert v.
332v.: Truppen Alexanders eroberten die damalige Hauptstadt Cölesyriens (griech. für Ostpalästina) samt Kriegskasse und Harem des persischen Großkönigs Dareius. Dabei half ihnen der Verrat des syrischen Satrapen (HEDIN, 1918, S. 32).
300 v. Athenische und makedonische Kolonisten gründeten unter Seleukos I. in Meeresnähe Antiochia. Diese spätere 3. Stadt des Hellenismus war den Seleukiden und späteren europäischen Herrschern über Syrien die bequemere Residenz und sie zogen sie dem für sie abgelegenen Damaskus vor.
Danach wechselnde Herrschaft über Damaskus (Ptolomäer, 112 Antiochus Cyzenius, 85 Nabatäer unter Areta von Arabien.)
1. Jahrhundert v.
64v. wurde Syria Pompejus römische Provinz, wobei es insgesamt blieb (ausnähmlich kurzer Herrschaften Kleopatras und nochmals, seit Caligula, der Nabatäer, bis 62n.) und Damaskus erlebte eine Zeit kultureller Blüte, nachdem Alexander Severus es zur colonia erhoben hatte.
1. Jahrhundert n.
Wichtig für die Christenheit ist Damaskus besonders als Ort der Bekehrung des Saulus zum Paulus (Apostelgeschichte 9). Als der seit der Steinigung des Stephanus eifrige Christenverfolger von Jerusalem nach Damaskus zog, um dort die Verhaftung von Christusanhängern zu erwirken, begegnete ihm kurz vor Damaskus ein himmlisches Licht, das ihn fragte: Saul, Saul, was verfolgst du mich? und bei Saul die Bekehrung auslöste.
Bei dem Ereignis war sein Augenlicht erloschen, doch führten Begleiter den geblendeten nach Damaskus, wo er drei Tage lang fastete und betete, ehe ihn Ananias, ein Jünger Christi, auf Geheiß des Herrn aufsuchte und ihm mitteilte, wer ihm da unterwegs begegnet war. Saulus fiel es wie Schuppen von den Augen, genesen und sehend wurde er als Paulus zum Vorkämpfer des Christentums, das ihm wesentlichen auf seiner Theologie beruht.
In der Folge soll er in jener Synagoge gepredigt haben, über der heute die Rote Moschee Dschami el-Ahmar erbaut ist. Auch jene Mauer, von der Paulus in einem Korb herabgelassen wurde, als er mit Hilfe des Legionärs Georg vor den aufgebrachten Juden und Landpfleger Aretas aus Damaskus entkam (2. Korinther 32f.), soll noch heute zu sehen sein.
7. Jahrhundert
635 eroberten Araber Damaskus und die Stadt gehört seitdem zur islamischen Welt. Eine Straße, Derb el-hadsch, verbindet Damaskus mit dem Pilgerziel Mekka (HEDIN, 32).
660 machte Moawija I., der Begründer der Omaijadendynastie, Damaskus zu seiner Residenzstadt, nachdem er sich zuvor in Jerusalem als Kalif huldigen ließ. Nach einigen Auseinandersetzungen um seine Nachfolge begann die große Zeit der Kalifen, unter deren Herrschaft Arabien militärische Erfolge in Reihe erzielten und vor allem die Kultur blühte.
Kalif Wadid ließ mit der Omaijadenmoschee in Damaskus eines der berühmtesten Gotteshäuser der mohammedanischen Welt, dessen Turm in Sevilla, Venedig und Cremona nachgebildet wurde, errichten (ab 705). An Stelle der Moschee befand sich seit Urzeiten ein Kultort, zu römischer Zeit befand sich hier ein Sonnenheiligtum, von dem noch Reste erhalten sind, obwohl ihn bereits Theodosius I. (379-395) zu einer Johannes geweihten Kirche umgestalten ließ, in der als Reliquie der Kopf des Täufers verwahrt wurde und noch heute unter den Muslimen wird.
Das südöstliche Minarett heißt Medinet Isa, das Jesusminarett. Von hier aus wird Jesus Christus am Jünsten Tag seinen Kampf gegen den Antichristen aufnehmen. (HEDIN, 42 u. 44).
Am 4. März 1193 starb zu Damaskus Sultan Saladin, der in Europa als weiser Bezwinger der Kreuzfahrer bekannt ist. Sein Mausoleum steht in unmittelbarer Nähe vor der Nordwestecke der Omajjadenmoschee.
Nach mancherlei weiteren Eroberern, Mongolen (1260), Tartaren (ab 1300) fiel Damaskus am 12. Oktober 1516 unter Sultan Stelim I. unter türkische Herrschaft und wurde Hauptstadt des Wilajets von Syrien. Dabei blieb es bis zum 1. Weltkrieg.