| < zurück | |
| Sumerer | |
(Herr Wind) Der sumerische Gott des (Sturm-)Windes und Wetters und Herrscher des Luftraums und der Naturgewalten.
Er ist Sohn der Ki und des An und neben der Göttin Nammu Herr der Schicksalsbestimmung sowie Stadtgott von Nippur (UHLIG, 41f.).
Enlil gilt als Vater der Getreidegöttin Nisaba, der Nanna, Nina, des Ninurta, Ningirsu, Nerigal und des Lugalbanda (BELLINGER, 112).
Als die Stadt Nippur noch von Göttern bewohnt war, erblickte Enlil die Jungfrau Ninlil, die nackt in einem Kanal badete. Enlil vergewaltigte sie und sie wurde schwanger. Die Götter erfuhren von dem Verbrechen und verbannten Enlil in die Unterwelt. Dorthin folgte ihm Ninlil und traf ihn in Gestalt des Torwächters an. Sie erkannte ihn nicht und teilte arglos mit, daß sie mit dem Mondgott Sin schwanger ging. Das beunruhigte Enlil und er schwängerte — warum auch immer — die Ninlil drei weitere Male, wobei er die Gestalt eines Flußgottes und des Fährmanns über den Unterweltfluß verwandelte. Ninlil gebar daraufhin den Mondgott Sin und drei Gottheiten der Unterwelt.
Auch die Menschen haben Grund den Enlil zu fürchten. Zum einen, weil er als Gott der Winde die Ebenen Mesopotamiens mit heißem Sturm, also auch mit Dürre und Sandverwehung bedroht, zum anderen, weil er bereits bewiesen hat, daß er dem Menschen nicht immer wohlgesonnen ist, denn Enlil war es, der dem Mythos zufolge die Sintflut bewirkt hatte, der einzig der König Ziusudra entrinnen konnte (UHLIG, 42f.).
Enlil hatte Himmel und Erde getrennt und hielt die übrigen Götter zur Bewirtschaftung der Erde an. Diese mußten große Gräben ausheben, die späteren Flußbetten von Euphrat und Tigris, wofür Enlil die Hacke erfunden hatte, wurden der Arbeit jedoch bald überdrüssig. Die Götter trachteten nach Sturz und Beseitigung Enlils, doch kam Enki dem zu Hilfe indem er anregte, Menschen zur Erledigung dieser Arbeiten zu schaffen. Man stimmte zu, Nammu erschuf aus Lehm die Menschen und etliche Jahre war man’s zufrieden.
Dann aber wurden die Menschen zahlreicher und Enlil ärgerte sich über den von den Menschen verursachten Lärm, der seinen Schlaf störte, so daß er ihre Vernichtung beschloß. Sein erster Plan sah eine verheerende Pest vor, doch nahm er davon Abstand, weil Enki die Menschen warnte und sie fortan leiser waren.
Nachdem man sich viele Jahre um mehr Ruhe bemüht hatte, hub der Lärm aufs Neue an und Enlil sandte eine Hungersnot, welche die Menschen zum Leisesein veranlaßte.
Wieder etliche Jahre später war es aber erneut mit der Ruhe vorbei und Enlil beschloß nun, die Menschheit in einer großen Flut zu ersäufen. Abermals kam Enki den Menschen, wenigsten einem von ihnen, zu Hilfe und warnte den Ziusudra (oder Atrachasis, akkadisch Utnapischtim), der ein großes Schiff baute und in dieser Arche samt seiner Familie und den mitgenommenen Tieren der Sintflut entrinnen konnte.
Der sumerische Enlil entspricht dem akkadischen Ellil.