| < zurück | |
| Mesopotamien / Sumerer | |
(Ereshkigal, Ereskigal, Herrin der großen Erde bzw. Herrin der Unterwelt) In mesopotamischer (sumerischer und akkadischer) Mythologie ist Ereschkigal die Herrscherin der Unterwelt (Kigal), unterirdische Schwester der Inanna bzw. Ishtar und Gattin des Gugalanna bzw. des Nergal sowie Mutter und Gattin des Ninazu. Als Bote steht ihr Namtar zur Verfügung. In ihrem Reich empfängt sie die Verstorbenen und richtet auf sie das Auge des Todes, wobei ihr ein Kollegium von sieben unterweltlichen Richtern beiseite steht (BELLINGER, 135).
Wie auch in anderen Weltsichten üblich galt das Reich der Ereschkigal, das unterhalb des Ur-Ozeans Apsu liegen soll, als finster und ungastlich sowie voller Staub. Von Staub und Asche soll sie sich dort nähren, dazu schmutziges Wasser trinken. Wer zu ihr kommen will, der muß dazu sieben Mauern durchschreiten, wobei an jedem Tor ein Kleidungsstück abzulegen ist, ehe man der Göttin nackt gegenübersteht (STORM, 32.).
Dem sumerischen Mythos zufolge hatte sich die Göttin Inanna in den schlafenden Hirten Dumuzi (babyl. Ishtar und Tammuz) verliebt. Das Glück endete, als Ereschkigal den Dumuzi in ihr dunkles Reich lockte. Kaum war das geschehen, da welkten die Blumen, das Vieh und die Menschen hörten mit der Liebe auf. Innana suchte daraufhin die Ereschkigal in ihrem unterirdischen Palast auf, an jedem der sieben Tore eines ihrer Kleidungsstücke lassend. Ereschkigal dachte aber nicht daran, der Gegenspielerin den Liebhaber wieder zuzustellen und schlug sie stattdessen mit sechzig Krankheiten. Die übrigen Götter gerieten darüber in Sorge, die Welt könne insgesamt zu Grunde gehen, sorgten für die Entlassung Inannas und besprengten sie mit dem Wasser des Lebens. Inanna kehrte zurück, hielt wieder Hochzeit mit Dumuzi und die Welt erblühte aufs Neue (DÖBLER, 65).
Solchen Mythos vom sterbendem Liebhaber, dessen Rückkehr und erneuter heiliger Hochzeit mit der Fruchtbarkeitsgöttin überliefern etliche Sagen (vgl. z. B. Astarte und Adonis, Kybele und Attis).
Nergal, der Gott des Krieges, suchte Ereschkigal in ihrer Unterwelt auf und wohnte ihr sechs Tage und Nächte bei, doch blieb die Göttin davon unbefriedigt. Ereschkigal heiratete den Nergal, der an jedem der sieben Tore zwei Dämonen als Wächter postierte (STORM, 33.).
Ereschkigal ähnelt zahlreichen weiteren Göttinnen der Unterwelt, beispielsweise der ägyptischen Nephthys, der griechischen Persephone, der indischen Kali-Uma oder der nordischen Hel (WALKER, 224).