| Mesopotamien - Schauplätze | ||
(assyr.; andere Namen Al Furat (arab.), As Shatt-al Hilla, Deir ez Zor, El Furat, Eufrate, Euphrate, Euphrates, Firat (türk.), Firat Nehri, Frat, Furat Su, Nahr al Furat, Perath, Yeprad; wohl ältester Name des Flusses ist Buranum, wie die Obed-Leute den Fluß nannten) Mit dem Tigris der westiche der beiden Ströme des Zweistromlandes Mesopotamien.
Der Euphrat ist mit 2.700 Kilometern Länge der größte Strom Vorderasiens. Mit dem Tigris schließt der Euphrat die fruchtbare Ebene des Zweistromlandes (gr. Mesopotamien) ein. Seine beiden Quellflüsse (der westliche und der östliche Euphrat) entspringen in der östlichen Türkei (der östliche Euphrat oder Murat am Berg Ararat), gemeinsam durchbrechen sie den östlichen Taurus. Über die Syrische Tafel ergießt sich das Wasser in südöstliche Richtung nach Mesopotamien, ehe sich der Strom mit dem Tigris verbindet und sie beide als Schatt-el-Arab in den Persischen Golf münden.
Euphrat und Tigris bringen der sonst trockenen Gegend sehr fruchtbaren, feuchten Boden. Als hierher die Sumerer gelangten, fanden sie in der Ebene ein ideales Siedlungsgebiet vor, das sie mit zahlreichen Bewässerungssystem zu reichem Kulturland entwickelten. Noch ihrer Nachfolger, Assyrer und Babylonier, profitierten von diesem Pioniergeist, ehe mit dem Untergang dieser Reiche etliche der Kanäle versandeten und das Land mehr und mehr zu Brachland wurde. Die Römer, denen der Euphrat lange die Ostgrenze ihres Imperiums bildete, fanden bereits kaum noch etwas von der ehemaligen Blüte vor. Schon lange vor ihnen erlebte der griechische Reisende Herodot kaum mehr als einen Abglanz einstiger Herrlichkeit, was mit dem bevorzugten Baumaterial der Bewohner Mesopotamiens zusammenhängt. Diese griffen für ihre teils monuentalen Bauten auf den von Euphrat und Tigris in dicker Schicht aufgeschwemmten Lehm zurück, welcher den Zeitläuften weniger Widerstand leistet, als es festes Gestein vermag.
Am unteren Euphrat fanden sich Ruinenhügel ehemals bedeutende Städte wie Uruk, Ur oder Babylon. Moderne Städte sind am Mittellauf (in Syrien), in Mesopotamien (Irak) Deir-ez-Zor, Haditha, Kerbela, Nedjef.
Nach mesopotamischen Mythos entspringen Euphrat und Tigris beide den Augen der Urgöttin Tiamat, welche Marduk getötet hatte und aus ihr Himmel und Erde formte (STORM, 80).
Im Euphrat sollen Fische ein goldenes Ei gefunden und ans Ufer geschoben haben. Dort habe es eine Taube bebrütet, bis ihm die Göttin Ischtar entschlüpfte, die auch als Astarte oder Aschtoret bekannt ist. (KERÉNYI, 56)
Den Griechen galt der Euphrat wie sein Bruder Tigris als Sohn des Pontos und der Thalassa.