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 Sumerer
 
 

Inanna

(auch Innin) Die sumerische Himmelskönigin (ihr Name leitete sich von Nin-anna ab, „Herrin des Himmels”), Göttin der Liebe, des Geschlechtslebens und der Fruchtbarkeit, auch des Krieges. Sie ist Tochter und spätere Gattin des An, sie gilt auch als Tochter des Nanna und der Ningal. Sie gilt zudem als Personifikation des Planeten Venus (BELLINGER, 211).

Sie war die Königin-Göttin, mit welcher der König einer sumerischen Stadt zu Neujahr die Heilige Hochzeit vollzog und damit seinem Land die Fruchtbarkeit sicherte. Alljährlich holte Inannaihren göttlichen Liebhaber Dumuzi aus der Unterwelt herauf und genoß mit ihm die Liebe. Diese mythische Begebenheit wurde vom Priester-König nachvollzogen, indem er das Heiligtum oben auf der Zikkurat bestieg, wo die Priesterin der Göttin ihn erwartete. Mit ihrer Vereinigung war der Bann der Trockenzeit vollzogen und das Land erblühte.

 

Mythen um Inmanna

Enki und Inanna

Inanna brachte die göttlichen Kräfte Me, die ihr Enki im Rausch übergeben hatte, von dessen Stadt Eridu in ihre Lieblingsstadt Uruk.
Die verführerische Göttin Inanna hatte sich die damals noch machtlose Stadt Uruk auserkoren. Um dieser zu Macht zu verhelfen, umgarnte sie bei einem Gastmahl der Götter den berauschten Enki. Sie bat den Trunkenen, einmal die von ihm gehüteten Kräfte Me betrachten und erproben zu dürfen. Der willigte ein, doch packte Inanna diese Kräfte rasch und entschwand mit ihnen auf ihrem Himmelsschiff nach Uruk, wohin sie diese „hundert göttlichen Kräfte” brachte. Damit war der Verfall der Stadt Eridu besiegelt und Uruks Blüte begann (UHLIG, 34f.).

Inanna und Ereschkigal

Inanna wird als stolze Göttin mit unbedingtem Herrschaftswillen geschildert, die sich Herrin des Himmels und der Erde nannte. Überdies trachtete sie nach der Macht in der Unterwelt Kur, deren Herrscherin ihre Schwester Ereschkigal ist. Die denkt nicht daran, der Inanna ihr Reich abzutreten und befiehlt ihrem Wächter Neti, der Eindringenden die Insignien ihrer Macht zu nehmen. So muß Inanna an jedem der sieben Tore zur Unterwelt ein Zeichen ihrer Herrschaft ablegen, nacheinander Krone und Obergewand, Ohrgehänge, Halskette, Brustschmuck, Edelsteingürtel, Spangen von Händen und Füßen und Untergewand, ehe sie nackt und damit machtlos vor ihrer Rivalin stand. Bar ihrer göttlichen Kräfte trifft sie das Auge des Todes der Ereschkigal und sie verfällt dem Tod.

Zu ihrem Glück hatte Inanna vor ihrem Gang ihre Botin beauftragt, den anderen Göttern Meldung zu erstatten, sofern sie nicht nach drei Tagen zurück wäre. Nun ist es Enki, der ihr hilft, nachdem Enlil und Nanna die Bittende abgewiesen hatten. Enki erschafft zwei Wesen ohne Geschlecht — diesen konnte der Todesblick der Ereschkigal nichts anhaben. Diesen Wesen gelang die Herausgabe des Leichnams. Sie besprengten Inannamit dem Wasser des Lebens und hüllten sie in heilige Kräuter, woraufhin die Göttin neubelebt erwachte.

Inanna darf nun das Totenreich verlassen, muß aber einen Ersatz stellen. In Uruk sieht sie, daß ihr Geliebter, dank ihr der König der Stadt, nicht sonderlich trauernd wirkt. Auf ihn wütend übergibt ihn Inanna den Dämonen der Unterwelt. (nach UHLIG, 123ff.)

Inanna und Dumuzi

Dem Mythos nach hatte sich Inanna in den Hirten Dumuzi verliebt. Auch der Bauer Enkimdu wirbt um sie. Der Bruder der Inanna, der Sonnengott Utu, riet Inannajedoch zur Heirat mit dem Hirten. Vielleicht gerade deshalb bevorzugt Inannanun den Enkimdu. Nun gibt es verschiedene Auffassungen, welchen der beiden Inannaheiratete. In der gängigen und für den späteren Kult bedeutsamen Variante entscheidet sich Inanna aber für den Hirten Dumuzi, auch Enkimdu fügt sich und tritt zu Gunsten des Hirten zurück, dem Hochzeitspaar überdies Geschenke von seiner Ernte bringend.

Als Inannaaus dem Totenreich zurückkehrt und Dumuzi dorthin sendet (siehe oben), muß sie in der Folge erkennen, daß es ohne dessen männlichen Samen keine Fruchtbarkeit mehr gibt. Zum Glück hatte Dumuzi jedoch eine Schwester. Inannabestimmte nun diese Geschtinanna, ihren Bruder für jeweils die Hälfte des Jahres in der Unterwelt zu vertreten. Seither ist Dumuzi jener Fruchtbarkeitsgott, der mehrere Monate des Jahres das Land zum Ergrünen bringt, während nach der Ernte die Natur eine Pause einlegt, ehe Dumuzi aus der Unterwelt zurückkehrt. (nach UHLIG, 127ff. u. 133f.)

Inanna und Gilgamesch

Im Gilgamesch-Epos trachtet Inanna, die hier Ischtar heißt, nach der Liebe des Gilgamesch. Der lehnt jedoch ab und belegt die Göttin mit einer Schimpfkanonade, worin er ihr unter Anderem ihr Verhalten gegenüber Dumuzi vorhält, zudem das Schicksal zahlreicher weiterer Liebhaber. Wütend verlangt die brüskierte Göttin von Anu die Freilassung des Himmelsstiers, den dieser wunschgemäß gegen Uruk toben läßt, den Gilgamesch aber mit seinem Freund Enkidu erlegen kann (nach der altbabylonischen Überlieferung des Gilgamesch-Epos, sechste Tafel).

 

Entsprechungen der Inanna

Die sumerische Inanna ist gleich der akkadischen Ishtar, der ugaritischen ’Attart, der hebräischen Ashera, der moabitischen ’Ashtar und der phönikischen Astarte (BELLINGER, 212).
Bei den Hethitern war sie als Inaras bekannt. Sie soll auch Vorbild der phrygischen Nanna (oder Nana, Anna) sein, der jungfräulichen Mutter des Frühlingsgottes Attis, im Norden sei sie Braut Baldurs gewesen, im Christentum soll ihre Entsprechung Anna sein, der Mutter Mariä, die den Jesus gebar (WALKER, 440f.).