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Kartenspiel

Um die Spielkarten rankt einiger Aberglaube, oft vor dem ernsten Hintergrund, daß manch einer sich durch sie um Haus und Hof verlor, mithin um sein Leben brachte.

Das kann rasch geschehen, insbesondere wenn man dem Aberglauben anhängt, am glücklichsten spiele es sich mit geliehenem Geld. Zukunftiges Glück im Spiel soll auch haben, wer an Weihnachten oder Karfreitag im Spiel gewinnt. Dem hat offenbar der Teufel beigestanden, denn an Weihnachten und Karfreitag ist das Kartenspiel besonders verpönt.

Der Teufel selbst gilt natürlich als hervorragender Kartenspieler, die Spielkarten, insbesondere die Tarotkarten, gelten als „des Teufels Gebetbuch”.
Als begeisterte Kartenspieler werden in der Volkssage auch die in Walhalla versammelte Helden dargestellt (siehe Einherier).

Wer spielt, sollte darauf achten, nicht mit dem Rücken zum Mond zu sitzen und kein schwarzes Brot zu essen. Richtig ist dagegen, ein vierblättriges Kleeblatt oder am Karfreitag gelegte Eier zum Spieltisch mitzuführen. (WEHR, 141)

Weil die Karten das Unglück anziehen soll, warfen Soldaten sie vor der Schlacht von sich, um nicht das Unglück in Form einer Kugel anzuziehen (ebd.).

In der Nikolaikirche zu Kiel sollen einmal Chorknaben während der Predigt Karten gespielt und dabei sogar geflucht haben. Da kam der Teufel hinzu und drehte einem von ihnen den Hals um bzw. gab ihm eine Ohrfeige, daß dessen Blut an die Wand spritzte. Dieser Fleck soll sich weder entfernen noch übertünchen lassen und das Fenster, durch welches der Teufel mit dem Knaben aus der Kirche hinausfuhr, ist seither zerbrochen und kann auch nicht repariert werden. (n. MÜLLENHOFF, 234.3, HUBRICH-MESSOW, 279)

Wer gerne mit Karten spielt, kann aber beruhigt sein, ganz verworfen ist das Kartenspiel nicht. Denn Schutzpatron der Spielkartenhersteller ist Sankt Balthasar, einer der heiligen drei Könige.

Aus der Sprache der Kartenspieler soll die Redensart „der hat aber Schwein gehabt” kommen. Im 16. Jahrhundert hieß das heutige As „Daus” oder „Sau” und es war ein Schwein auf dieser Karte abgebildet. Man sagte: „Er haut die Eichelsau in den Tisch, daß es nur so kracht!” (KRÜGER-LORENZEN, 253)

 

Sicher falsch ist die Annahme, sämtliche Spielkarten seien aus dem Tarot hervorgegangen. Vielmehr verhält es sich wohl umgekehrt, denn Spielkarten sind aus China und Indien seit wenigstens dem 7. Jh. n. Chr. bekannt. Neu sei am Tarot aber die Hinzugfügung der bis dahin in der Welt der Spielkarten unbekannten Trümpfe. (BERTI u. GONARD, 10)